Pflege in Wien – Schritt in die Zukunft

Am 22. April wurde in der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen zur Symposiumsreihe „Dialog Pflegepraxis – Politik – Management – Lehre“ eingeladen.

© Foto: Christian Fürthner

1919Der Titel „Die Rolle der Pflegeberufe im Wiener Gesundheitswesen“ lockte Pflege- und SchuldirektorInnen, PflegewissenschaftlerInnen, LehrerInnen und Pflegepersonal vielversprechend in den Vortragssaal des AKHs. Rund 100 Personen folgten der Einladung. Gastrednerin war keine geringere als Frau Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely, die sich nicht nur den brisanten Themen, sondern auch den Fragen des Publikums stellte und durch ihre offene Art begeisterte.

Mit den Worten „Es ist die Zeit des Umbruchs. Vieles ist im Werden und der Paradigmenwechsel ist nicht mehr aufzuhalten.“, begann die Politikerin direkt auf das Thema einzugehen. „Ich weiß nicht woran es liegt, dass die Novelle noch immer nicht umgesetzt wurde. Ich habe hierfür kein Verständnis und der Blick sollte ganz klar in Richtung Bundesministerium für Gesundheit gehen. Wir brauchen diese Novelle!“ Die derzeitige Verzögerung erfolge aber nicht nur auf politischer Ebene. Die Ärztekammer versucht immer wieder bei pflegerelevanten Themen mitzureden. Mit einem Lächeln kommentiert die Stadträtin „Dies werden wir wohl der Ärztekammer nicht abgewöhnen. Die Ärzte haben halt zu allem immer eine Meinung, die sie gerne kundtun.“

Das Wiener Gesundheitssystem muss auf jeden Fall im intra- und extramuralen Bereich essentiell verbessert werden. Dies kann zum Beispiel durch eine standardisierte Nachsorge erfolgen, muss aber durch ein neues Modell von den Ambulanzen der Krankenhäuser wegkommen. Das neue Primärversorgungsmodell ist hierbei der große Hoffnungsträger. Am 18. Mai eröffnet  auf der Mariahilferstrasse das erste Primärversorgungszentrum  in dem interdisziplinäre Pfade eingeschlagen wurden. Das nächste Zentrum wird in der Nähe des SMZ Ostsein. „Wir wollen dadurch die Ambulanzzeiten stark verkürzen und die Leute motivieren, dass sie gewisse Untersuchungen außerhalb der Akutspitäler machen. Hierbei hat natürlich die Pflege eine tragende Rolle.“

Die große Zukunft sieht die Stadträtin in der Hauskrankenpflege und in der Schaffung neuer Einsatzgebiete. Es müssen neue Spezialisierungen geschaffen werden. An dieser Stelle präsentiert Stadträtin. Wehsely die Idee der Schulkrankenschwester. „Wir müssen die Schnittstellen verbessern und eine strukturelle Liegedauer implementieren. Die Betreuung zu Hause könnte auch durch eine Erweiterung des Ärztefunkdienstes mit einer diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester verbessert werden.“

Die Akademisierung der Pflege ist für die Stadträtin nicht nur eine wichtige Ausbildungsangleichung an die restliche EU, sondern auch eine Weiterentwicklung für den Berufsstand. Die Wiener Krankenpflegeschulen haben ab jetzt eine Kooperation mit der Wiener Fachhochschule und werden ab Herbst 2015 die erweiterte Ausbildung (Diplom plus Bachelor of Science) anbieten. Wie viele Ausbildungsplätze es aber letztendlich geben soll sei noch unbekannt. „Es gibt in diesem Bereich leider genügend ominöse Anbieter, die mehrere tausend Euro für ein Upgrade auf einen Bachelortitel verlangen. Kaufen sie sich lieber um dieses Geld ein Auto und machen sie diese Ausbildung über die Wiener Krankenpflegeschulen.“, rät die Stadträtin interessierten Personen. Es mache auch keinen Sinn, allen diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen ein Nachmachen des Titels abzuverlangen. „Wir haben sehr gut ausgebildetes Pflegepersonal in Österreich. Es wird definitiv keinen hierarchischen und Tätigkeitsunterschied zwischen den neuen Bachelorabsolventen und dem bestehenden Pflegepersonal geben.“ Die Umstellung auf die neuen Ausbildungskonzepte müsse einfach schnell erfolgen. Mit den neuen Ausbildungen der Pflegeassistenz (ein Ausbildungsjahr) und der Pflegefachassistenz (zwei Ausbildungsjahre) soll ein durchgängiger Karriereweg gewährleistet sein. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten müssen endlich komplett von der Pflege weggenommen werden. Durch diese neuen Ausbildungsstufen wird es aber auch einen neuen Personalschlüssel geben, dass solle man nicht außer Acht lassen. Um diese Umstellung aber sicher zu begleiten, muss an einer neuen Fehlerkultur in den Krankenhäusern gearbeitet werden. Nur so kann man die Ziele rasch umsetzen. Eine weitere Erneuerung in der Ausbildung ist die Umstellung auf die „generalisierte Ausbildung“.. Um den Pflegeberuf für den Arbeitsmarkt attraktiv zu präsentieren muss es auch eine Besoldungsreform geben. Wie genau dies aussehen wird, kann aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden.

Auf die Frage, ob sie eine Pflegekammer in Österreich für sinnvoll erachte und wenn nein, wer ihrer Meinung nach den Pflegeberuf vertreten soll, meinte. Wehsely lächelnd: „Ich sehe keinen Sinn in einer Berufskammer. Dies würde für Pflegepersonen keine Verbesserung bewirken. Auf die Frage der Berufsvertretung kann ich Ihnen nur sagen, dass sich Frau Präsidentin Frohner mit dem ÖGKV täglich bei mir mit wichtigen Anliegen meldet und dies erfolgt mit einer Vehemenz die man nicht ignorieren kann. Sie sind mit dem Berufsverband sicherlich gut vertreten.“

Zu guter Letzt ruft sie die Anwesenden auf, diesen Paradigmenwechsel positiv auf alle Ebenen zu transportieren. „Wir müssen alle gemeinsam daran arbeiten, dass sich etwas ändert. Dies kann nur mit einer positiven Einstellung erfolgen. Des Weiteren müssen wirklich alle Pflegepersonen daran arbeiten diesen Beruf für die Bevölkerung sichtbar zu machen. Hierbei ist wirklich jeder gefragt.“

Diese Worte beenden das Symposium. Mit Sicherheit stehen wir vielen Änderungen gegenüber, die wir alle gemeinsam in den nächsten Jahren begleiten dürfen. Nur durch eine aktive Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Politik, Management, Lehrstuhl und Basis kann dieser Weg fruchtbaren Boden bieten.

Autor: Markus Golla, BScN
Titel: Pflege in Wien – Schritt in die Zukunft
Veröffentlicht: Webseite (19.Mai 2015)

Über Markus Golla 1024 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege - Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

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