Pflege in Wien – Das Interview

Interview mit Frau Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (Österreich)

Sonja Wehsely, Wien, 2012, copyright www.peterrigaud.com

Pflege Professionell: Zurzeit finden im Bereich des Wiener Krankenanstalten-Verbundes große Umstrukturierungen statt. Aus dem Kaiser Franz Josef Spital wurde das SMZ Süd, das SMZ Nord entsteht, das Wilhelminenspital wird umgebaut und kleinere Krankenhäuser wurden in die neuen Einrichtungen integriert. Können sie uns als Stadträtin für Gesundheit und Soziales ein bisschen etwas über dahingehende Pläne und die Hintergründe erzählen?

Stadträtin Wehsely: Die angesprochenen Veränderungen sind ein Teil des Wiener Spitalskonzepts 2030, das der Wiener Spitalslandschaft einen großen Modernisierungsschub bringen wird. Die Wiener Gemeindespitäler sind im Schnitt mehr als 80 Jahre alt. Angesichts der wachsenden Bevölkerung und der medizinischen Entwicklungen braucht es daher diese Veränderungen.

In den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) werden pro Jahr rund 400.000 Patientinnen und Patienten stationär aufgenommen. Darüber hinaus erfolgen ca. 3,4 Millionen ambulante Behandlungen. Um die bestmögliche Gesundheitsversorgung auch in Zukunft sicherzustellen, wurde das erwähnte Wiener Spitalskonzept 2030 entwickelt, das nun laufend umgesetzt wird.

Künftig übernehmen sieben zentrale Spitäler  – gut aufeinander abgestimmt – die Versorgung der Wienerinnen und Wiener. So können mit moderner Infrastruktur bestmögliche Versorgung und effiziente Gesundheitsleistungen gewährleistet werden.

Pflege Professionell: Die Krankenpflege rüstet die Ausbildung mit wissenschaftlichen Inhalten auf. Aus dem Diplom für Gesundheits- und Krankenpflege wird nun eine Fachhochschulausbildung. Welche neuen Möglichkeiten sehen sie dadurch für die Stadt Wien? Ist dies überhaupt notwendig?

Stadträtin Wehsely:Eine Ausbildung auf Fachhochschulniveau ist ein zukunftsweisender Schritt zur weiteren Professionalisierung des Pflegeberufes innerhalb der Gesundheitsberufe – nicht zuletzt zum Nutzen der PatientInnen. Abgesehen davon folgen wir damit dem europäischen Standard. Die Akademisierung der Pflege ist eine langjährige Forderung, auch von der Berufsgruppe selbst.

Pflege Professionell: Hat sich die Stadt Wien schon Gedanken gemacht, wie diese neue Ausbildungsstufe ins bestehende Gesundheitssystem der Stadt integriert wird oder bleibt trotzdem „alles beim Alten“?

Stadträtin Wehsely: Sobald eine neue gesetzliche Grundlage vorliegt werden die notwendigen Umsetzungsschritte eingeleitet werden.

Pflege Professionell: Wird es einen finanzierten Forschungsbereich „Pflege“ im Budget der Stadt Wien geben?

Stadträtin Wehsely: Im Bereich der „Pflege“ wird an den verschiedensten Stellen geforscht, oft auch durch Anreize verschiedener Preise und Förderungen.

Pflege Professionell: Es gibt viele Privatspitäler in Wien. Die meisten PatientInnen mit Zusatzversicherung werden für Operationen von ihren Ärztinnen und Ärzten lieber in private Spitäler als in öffentliche eingewiesen. Damit entgehen dem Krankenanstalten-Verbund  der Stadt Wien jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Gibt es Pläne um öffentliche Spitäler für PrivatpatientInnen und BelegschirurgInnen attraktiver zu machen?

Stadträtin Wehsely: Wesentliche Kriterien für gemeinnützige Krankenanstalten sind: Keine Gewinnorientierung, Aufnahme aller Aufnahmebedürftigen, Zahl der Sonderklassebetten nicht höher als 25 Prozent der Gesamtbettenzahl – dies ist die Voraussetzung den Versorgungsauftrag der Stadt Wien für die Wiener Bevölkerung gewährleisten zu können. Derzeit liegt der Anteil der PrivatpatientInnen in den Gemeindespitälern bei nur etwa fünf Prozent, hier ist sicher noch eine Steigerung drinnen.

Pflege Professionell: Die demographische Entwicklung zwingt uns immer mehr Pflegepersonal und ÄrztInnen auszubilden. Der Personalmangel in anderen europäischen Ländern wird jedoch bereits deutlich. Hat die Stadt Wien Pläne, wie diesem prognostizierten Personalmangel in Zukunft sowohl im gesamten Bundesgebiet als auch in der Bundeshauptstadt vorgebeugt werden kann?

Stadträtin Wehsely: Mit verschiedenen Maßnahmen, u. a. neuen Ausbildungsmöglichkeit in der Pflege (Bachelor für Pflegeberufe), der Umsetzung des mitverantwortlichen Bereichs inkl. Entlastung des Pflegepersonals von administrativen Aufgaben, aber auch dem neuen Gehaltsmodell, das v.a. JungärztInnen höhere Einstiegsgehälter bringt, der neuen Vergütung für das Klinisch Praktische Jahr, will der KAV dafür sorgen, auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Pflege Professionell: Gibt es noch etwas, das Sie dem österreichischen Pflegepersonal durch dieses Interview mitteilen wollen?

Stadträtin Wehsely: Ich stehe in sehr regelmäßigem Kontakt mit dem Pflegepersonal, sowohl mit dem im KAV, aber auch überregional. Eine Stärkung der Berufsgruppe und eine GuKG Novelle, die die Tätigkeiten neu ordnet und fokussiert, ist mir daher ein besonderes Anliegen.

Autor: Markus Golla, BScN
Titel: Pflege in Wien – Das Interview
Veröffentlicht: Webseite (19.Mai 2015)

Über Markus Golla 1271 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege - Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen