Der Ansatz von Validation als Hilfe bei der Versorgung und Behandlung von PatientInnen in Krankenhäusern

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Einführung:
Die Validationsmethode wurde von Naomi Feil aus ihrer Praxis als Sozialarbeiterin heraus in den 1960er und 70er Jahren entwickelt. Es ist eine ganzheitliche, personenorientierte Methode, die sich in drei Elementen darstellt: einer empathischen Grundhaltung, Prinzipien, die ein neues Verständnis für die letzte Lebensphase ermöglichen und Techniken die verwendet werden, um den Respekt und die Kommunikation mit Menschen mit einer Demenz und ihren Betreuern zu verbessern. Das Verfahren ist in den letzten 40 Jahren durch die Beiträge von ausgebildeten Validations- LehrerInnen und durch die von Experten entwickelten Qualitätsstandards weiter entwickelt worden. Dieser Artikel beschreibt, wie Validation von Fachpersonal in Krankenhäusern angewandt werden kann. Beginnend mit einer persönlichen Erfahrung, analysiere ich, wie bessere Patientenergebnisse, durch die Integration der empathischen Grundhaltung und ein paar einfacher Techniken erreicht werden können.

Fallbeipiel:
Herr de Wit hilft seiner Frau die Matratze ihres Bettes umzudrehen, eine Aufgabe, die sie gemeinsam alle sechs Monate in den letzten 50 Jahren bewältigt haben. Dieses Mal jedoch verfängt sich sein Fuß am Fußende des Bettes. Er verdreht seinen Körper und fällt auf den Boden. Mit 87 Jahre weiß er, dass er lieber erst ein paar Atemzüge abwartet bevor er nachsieht ob er in Ordnung ist. Seine Frau ruft: „Joe, bist du in Ordnung?« »Lass´ mich hier eine Minute liegen.“ Zehn Minuten später hat er immer noch enorme Schmerzen und seine Frau tätigt den Notruf. Herr de Wit hat einen gebrochenen Oberschenkelhals. Durch einen Metallstift wird der Schaden während einer zweistündigen Operation behoben. Als er aus der Vollnarkose erwacht, ist Herr de Wit verwirrt, weiß nicht wo er ist und will aus dem Bett aufstehen. Er ist verärgert und diskutiert mit den Krankenschwestern der Intensivstation. In einem anderen Moment ruft er einer vorbeigehenden Krankenschwester zu: „Mutter ich bin nicht krank. Raus aus meinem Zimmer!“ Seine verbalen Fähigkeiten sind schlecht; er kann sich an einzelne Worte nicht erinnern oder vollständige Sätze bilden.

Die Validations-Theorie
Die Prinzipien der Validation besagen, dass Herr de Wits präoperative sowie kognitive Probleme als normalen Bestandteil des Alters akzepieren sollte und wir, die Betreuer, müssen akzeptieren, dass er mit den Schwierigkeiten des Alters auf die ihm bestmögliche Weise fertig zu werden versucht, indem er mit Bewältigungsstrategien, die er ein Leben lang entwickelt hat, umgeht. Er war ein Mann der Routine, der immer weitermachte, egal was es erforderte und unter welchen Umständen. Das Gehirn schrumpft, wenn wir altern und jeder entwickelt eine Art von Hirnschäden. Studien haben gezeigt, dass alle Menschen Beläge und Verwirrungen entwickeln, sowie Schäden, die durch kleine Schlaganfälle im hohen Alter verursacht werden. Validations –AnwenderInnen akzeptieren, dass Gedächtnisverlust ein normaler Bestandteil des Alterungsprozesses ist. Herr de Wit litt zunehmend an Gedächtnisverlust, der mit jedem Jahr immer schlimmer wurde, aber er hielt sich gut und wurde von seiner Frau unterstützt. Der Psychologe Erik Erikson schrieb, dass sich ältere Menschen in einem Prozess der Integritätssuche befinden, indem sie das Positive und Negative in ihrem Leben abwiegen, überprüfen und hoffentlich letztendlich Frieden mit sich selbst schließen. Naomi Feil beobachtete, das jene Menschen, die nie Integrität gefunden haben, diesen Kampf, um in Frieden zu sterben, weiterführen, trotz des Mangels an Bewältigungsstrategien für den Umgang mit der „Lawine von Verlusten“, die im hohen Alter hinzukommen. Ihre weniger und desorientierten Verhaltensweisen sind Zeichen dieses Kampfes, in dem sie versuchen, sich von ihrer Vergangenheit zu lösen und bringen starke Bedürfnisse und Gefühle, die lange unterdrückt wurden, zum Ausdruck. Herr de Wit war vor dem körperlichen Trauma weder schlecht orientiert noch desorientiert. Er war ein Mann, der Integrität hatte. Herr de Wit erlitt ein körperliches Trauma, eine Vollnarkose und wachte an einem fremden, unbekannten Ort mit Schmerzen und unter starker schmerzlindernder Medikation auf. All diese Dinge schaffen Desorientierung, die zu einem Delirium geführt hat.

Validation in der Praxis mit angewandten Techniken
Als Herr de Wit unruhig wird und aus seinem Krankenhausbett aufstehen möchte, hätte ein/ eine Validations-AnwenderIn Blickkontakt aufgenommen, einen sorgfältigen Einsatz von Berührung und Nähe verwendet, um in Beziehung zu treten. Dieser Vorgang dauert 30 Sekunden und hilft Herr n de Wit, sich auf die Krankenschwester zu fokussieren, die dann erklären kann, was passiert ist und die Notwendigkeit, im Bett zu bleiben, erfahrbar macht. Sein Bedürfnis „immer weiter zu machen, egal was passiert“ verstehend, kann sie nun fragen: „Gab es jemals eine Zeit in Ihrem Leben, in der Sie krank im Bett lagen?“ „Was haben Sie dann getan?“ „Was möchten Sie jetzt tun?“ „Was lässt Sie sich sicher fühlen?“ Diese Fragen helfen Herrn de Witt seine Gefühle oder Bedürfnisse auszudrücken. Sich seine Antworten anzuhören dauert nicht länger als ein paar Minuten, kostet weniger Zeit als ein Rezept für Beruhigungsmittel. Ein/ eine Validations-AnwenderIn versteht, dass es das Einsetzen seiner Mutter für Herrn de Witt leichter macht, eine Verbindung herzustellen. Dies ist kein Zeichen von Demenz, sondern ein Weg für Herrn de Witt, sich in einer verwirrenden und beängstigenden Wirklichkeit sicher zu fühlen. Er wird nicht korrigiert und es wird auch nicht so getan als sei man seine Mutter. Sein Verhalten wird akzeptiert und vielleicht wird er gefragt: „Wie fühlen Sie sich?“ „Was brauchen Sie jetzt?“ Als Herr de Witt Worte verwendet, die es nicht gibt oder Sätze nicht bilden kann, versteht ein/ eine Validations-AnwenderIn, dass dies bei sehr alten Menschen normal ist, vor allem nach einer Vollnarkose und körperlichem Trauma. Durch die Technik „ Mehrdeutigkeit“ wird versucht, ihm dabei zu helfen, sich auszudrücken, indem der Fokus mehr auf die zu vermittelnde Nachricht gelegt wird, als auf die Art und Weise des Ausdrucks. Ein/ eine Validations- AnwenderIn weiß, wie er/ sie sich in 30 Sekunden zentriert, seine/ ihre eigenen inneren Spannungen und Gedanken bei Seite legt und sich auf den Klienten fokussiert. Auf diese Weise kann sowohl eine klinische Beurteilung, als auch eine Verbindung zum Klienten und seinen Bedürfnissen hergestellt werden.

Die einfache Integration einer Validationsgrundhaltung und ein paar einfacher Validierungstechniken können nach einem physischen Trauma, entscheidend für ältere Patienten bei einer erfolgreichen Genesung sein.

Ideen für weitere Überlegungen:
• Sehen Sie Gedächtnisverlust als einen normalen Teil des Alterns? Was ist ein normales Verhalten für eine ältere Person in Folge eines körperlichen Traumas?
• Sehen Sie Validation als Alternative zur Verwendung von antipsychotischen Medikamenten? Würden Sie dies als gute Pflege erachten?
• Haben Sie bemerkt, wie einige ältere Patienten Dinge oder Menschen in der Gegenwart mit Dingen oder Menschen aus ihrer Vergangenheit identifizieren? Welche Verbindungen sehen Sie zwischen deren persönlichen Geschichte und diesen Verhaltensweisen?

Über Vicky de Klerk-Rubin 1 Artikel

Krankenschwester und Validations-Master. Zusammen mit ihrer Mutter Naomi Feil, die die Methode gegründet hat, entwickelt sie Validation weiter und betreut als Managerin Validations-Trainingsinstitute in Europa, Vorträge weltweilt

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