DE: „Wir geben die Verantwortung an die Politik zurück!“

Von Roger Konrad und Yvonne Falckner (www.careslam.de)

(C) Christian Ditsch/Photographer

Überall in diesem Land hört und liest man seit unzähligen Jahren vom Pflegenotstand, gefährlicher Pflege und davon, dass es immer schlimmer wird.

Seit mehr als drei Jahren machen Pflegende quer durch die Republik auf die Misstände in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegeeinrichtungen und der häuslichen Pflege aufmerksam.

Was im Sommer 2013 in Bremen Pflege am Limit benannt wurde und im Herbst 2013 durch einen Liege-Flashmob von Aalen aus über Osnabrück durch Facebook und die Republik schwappte erhielt mit Pflege am Boden einen anderen Namen.

Als bundesweites Personenbündnis zeigten unzählige Teilnehmer*innen Jahrelang an öffentlichen Plätzen das etwas in dem bestehenden Pflegesystem nicht mehr in Ordnung ist!

In unzähligen Gesprächen mit Bürgern, Pflegenden und Politikern sorgte dieses Personenbündnis außerhalb der bestehenden Institutionen Land auf und Land ab für eine bundesweite Aufmerksamkeit.

Was als Akt der Verzweiflung begann ist für einen Teil des losen Personenbündnisses inzwischen zu einem Verein geworden und sie haben nicht nur symbolisch sondern auch mit ganzer Leidenschaft die Pflege in Bewegung gesetzt.

Gelungen ist dies im Rahmen der Aktionskampagne „bundesweite Gefährdungsanzeige“, die gemeinsam mit der WIR! Vereinigung pflegender Angehöriger Deutschland e.V. initiiert und umgesetzt wurde.

Beteiligt haben sich hier neben einigen Städten von Pflege am Boden auch die Siegener Initiative Wa(h)re Gesundheit – da hilft nur noch beten? und zu guter Letzt die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Für den diesjährigen internationalen Tag der Pflege(nden) wurde deshalb das Brandenburger Tor zum Tor in das selbstbestimmte Jahrzehnt und somit in eine Pflegezukunft und am Abend wurde der durchaus verrückte Ist-Stand des bestehenden Pflegesystems kunstvoll auf der CareSlam Bühne in Szene gesetzt. LINK ZUR FOTOGALERIE

Mit drei verschiedenen Aktionsflyern wurden seit Oktober  die Themen Krankenhaus-Pflege, ambulante und stationäre Altenpflege und die Situation der pflegenden Angehörigen aufklärend und statistisch aufbereitet, aber auch jeweils ein Schreiben an die Politik verfasst, was unterschrieben werden konnte, um die Verantwortung für die Pflegezustände und Rahmenbedingungen an die Politik zurück zu geben.

Am Brandenburger Tor wurden deshalb zwischen 12.00 h und 14.00 h von Marcus Jogerst-Ratzka, dem stellvertretenden Vorsitzenden von Pflege in Bewegung, das entwickelte Strategie-Papier vorgetragen, in dem es um 12 nachhaltige Strategien für eine Zukunft(s)-Pflege in Deutschland geht.

Der Präsident der Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, unterstrich die Bedeutung von tatsächlicher Pflegeselbstverwaltung, um unter anderem eine Berufsordnung und Ethik unabhängig von politischen Legislaturperioden umzusetzen und Pflege entsprechend zeitgemäß zu gestalten.

Die Kölner-Gruppe von Pflege am Boden betonte, dass man die verschwendeten Unsummen von Großbauprojekten wie dem BER durchaus in eine stattliche Zahl Pflegekräfte zur bundesweiten Entlastung hätte verwenden können und/oder dies zukünftig tun könnte, um tatsächlich für Entlastung zu sorgen.

Auch die Care Revolution Regio Gruppe Berlin kam mit einem eigenen Redebeitrag zu Wort und betonte noch einmal, dass es nicht nur um die Pflegeberufe sondern auch um die sogenannten Care-Berufe drum herum und insbesondere die Rechte von Frauen geht, die ebenfalls nachhaltig eingefordert und umgesetzt werden müssen.

Politische Adressaten waren vor Ort Bernd Riexinger von der Linkspartei, Mechthild Rawert von der SPD und Elisabeth Scharfenberg von Bündnis90/Die Grünen und auch sie betonten die Wichtigkeit der Pflege und Sorgearbeiten in diesem Land.

Politische Vertreter der CDU waren am Brandenburger Tor zwar nicht anwesend, aber um 14:45 h erfolgte dann die Übergabe der gesammelten Unterschriften des Postrücklaufes und der ergänzend eingerichteten Online-Petition, die bis zum Mittag 8.500 Unterschriften zählten, im Bundesministerium für Gesundheit.

Zur Übergabe mit Herrn Dr. Berringer, der vom Gesundheitsminister Hermann Gröhe beauftragt wurde die Unterschriften entgegen zu nehmen, fuhren die Initiatoren der „bundesweiten Gefährdungsanzeige“, passend zum Vereinsnamen Pflege in Bewegung mit Fahrrad-Rikschas.

In einem offenen und ehrlichen Austausch nach der Übergabe wurden die wesentlichen Aspekte der gemeinsamen Kritik am Pflegesystem angesprochen und das gemeinsame Anliegen weiterhin aktiv in den pflegepolitischen Dialog einbezogen zu werden wurde mit Nachdruck mitgeteilt.

Auf den Punkt gebracht geht es allen Beteiligten nämlich um

Wertschätzung durch Mitspracherecht

Entlastung durch mehr Personal

Und finanzielle Aufwertung der (beruflich und familiär) Pflegenden.

Am Abend wurden dann die heiligen Johannen der Pisstöpfe beschworen und auch der Geist von Florence Nightingale erschien den Anwesenden der nunmehr siebten CareSlam Veranstaltung in der Alten Feuerwache in Berlin Firedrichshain und reichte weiter die „candle für die Zeiten des Wandel“.

www.careslam.de

Ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige Verbesserung setzte auch der Pflegenachwuchs, der mit einem „Love Parade“ ähnlichen Walk of Care durch Berlin zog und besonders die Ausbildungssituation in den Fokus rückte.

Roger Konrad und Yvonne Falckner:

PS: Es gibt noch viel zu tun und nur nichts tun ändert nichts!

Yvonne Falckner
Über Yvonne Falckner 2 Artikel
Initiatorin CareSlam, examinierte Krankenschwester, Dozentin für Pflege und Soziales: Schwerpunkt Psychiatrie, Gerontopsychiatrie Trauerbegleiterin VEID, Interkulturelles Training Xenos Kulturgeragogik i.A. FH Münster

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