DE: Wir brauchen Ziele, kein Mitleid

HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal: Simone Hyun, Pflegedirektorin, 05.04.2017

Simone Hyun ist Pflegedirektorin am Helios Universitätsklinikum Wuppertal und damit oberste Pflegekraft des Hauses. Sie hat einen Master-Abschluss in Pflegemanagement und zuvor eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin abgeschlossen. Ihr Ziel ist es, die Pflege insgesamt attraktiver zu machen. Mit mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird sie daher am Aktivcamp Pflege am 15. Juni 2018 teilnehmen.

Aus der Perspektive einer Pflegedirektorin sehe ich in dem Aktivcamp die Möglichkeit, wie wir als Pflegekräfte die Themen, Herausforderungen und Bedürfnisse, die uns bewegen, aktiv benennen und gestalten können. Ich halte das für wichtig, denn oftmals  ist die Wahl unserer beruflichen Themen fremdbestimmt. Dies möchte ich gerne tiefergehend darlegen.

Über Pflege wird diskutiert – doch nicht aus Sicht der Pflege.

Die Pflege gewinnt in der öffentlichen Wahrnehmung aktuell wieder an Bedeutung. Der schon so oft beschriebene Pflegenotstand und die damit einhergehenden Arbeitsbedingungen schaffen es auf die Titelseiten der großen Tages- und Wochenzeitungen. Auch in diversen Talkshows wird hierüber debattiert. Diese öffentliche Debatte ist wichtig. Leider empfinde ich, dass die Medien und die Politik den Pflegenotstand jetzt für ihre Interessen ausschlachten. So ist es populär für Politiker, Gewerkschaften, Medien, ja sogar Institutionen über den Pflegenotstand zu sprechen und damit die Aufmerksamkeit ihrer Wählerinnen und Wähler, Leserinnen und Leser auf einfache Art zu gewinnen. Ich vermisse in den Diskussionen den Tiefgang, die konkreten Maßnahmen und eine nachhaltige Strategie, um diese wichtigen Themen anzugehen. Vor allem fehlt mir jedoch die Beteiligung der Pflege an dieser Diskussion!

Unser Ziel darf nicht das öffentliche Mitleid sein.

Ich kann mit dieser Polemik nichts anfangen und helfen tut sie uns auch nicht. Wir müssen unsere Herausforderungen eigenständig meistern und ich bin überzeugt, dass wir daran als Berufsstand wachsen werden. Unser Ziel darf nicht das öffentliche Mitleid sein. So gewinnen wir bestimmt keine neuen Pflegekräfte.

Wir benötigen eine differenziertere Betrachtung, wenn wir über Themen wir Pflegenotstand und die Arbeitsbedingungen in der Pflege sprechen wollen. Der Pflegenotstand verdeckt oft, woran es wirklich hapert in der Pflege im Krankenhaus. Ein reines Mehr an Personal wird die Situation der Pflege im Krankenhaus nicht zwangsläufig verbessern. Schlecht abgestimmte Prozesse über alle Berufsgruppen hinweg, fehlende Benutzerorientierung bei Digitalisierungsprozessen, fehlende Einsatzplanung der Pflegeabsolventen  – all das muss differenziert angegangen werden. Die Opferrolle spiegelt nicht wieder, was wir wirklich brauchen, wofür wir stehen und wohin wir wollen.

Der Artikel wurde zuerst auf Team Scharfenberg veröffentlicht. Hier finden Sie auch den Rest des Artikels. Verbunden mit dem Aktivcamp Pflege, bei dem Sie noch Plätze ergattern können!

Markus Golla
Über Markus Golla 3185 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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