DE: Gewalt in der Pflege bleibt auch 2018 Thema der Landespflegekammer

(C) Ocskay Mark

Thema muss aus Tabuzone herausgeholt werden – Inhaltliche Auseinandersetzung auch beim Pflegetag Rheinland-Pfalz

„Das Tabuthema Gewalt in der Pflege muss weiter öffentlich diskutiert werden“, erläutert Hans-Josef Börsch, Mitglied des Vorstands der Landespflegekammer. „Die erschütternden Ereignisse in einer stationären Pflegeeinrichtung im Land, die sich im Jahr 2015 zugetragen und die uns alle bewegt haben, sind dabei nur ein Anlass. Professionell Pflegende bilden die mit Abstand zahlenmäßig größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und haben darüber hinaus den intensivsten Zugang und Kontakt zu den zu Pflegenden. Daraus können selbstverständlich Konfliktsituationen entstehen. Gewalt ist keine Einbahnstraße, sie kann zu Pflegende ebenso treffen wie die Pflegenden selbst“, stellt Börsch dar. Insbesondere Gewalt gegen Pflegende sei bislang nicht ausreichend beleuchtet worden.

Nach der Auftaktveranstaltung in Form eines Fachtags im November 2017, die in Kooperation mit dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD) und der rheinland-pfälzischen PflegeGesellschaft stattfand, sind die Vorbereitungen für weitergehende Initiativen und Projekte angelaufen. Daher hat sich am 10.01.2018 eine Expertengruppe zum Thema  „Gewalt gegen Pflegende“ getroffen, um die Thematik auch aus der Perspektive der Pflegekräfte zu beleuchten. Aktuelle Erhebungen zeigen auf, dass im Jahr 2016 3252 meldepflichte Gewaltunfälle im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen gemeldet wurden. Auf die Gesamtanzahl bezogen macht dies sogar 30% aller Gewaltfälle aus, wobei die Dunkelziffer noch viel höher liegen dürfte. Dies zieht sich durch alle berufsspezifischen Settings der Pflege.

Die Mitglieder der Expertengruppe haben sich geeinigt, auf die Missstände aufmerksam zu machen sowie konkrete Maßnahmen zu fordern. „Es ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden, dass dieses Thema auf dem Rücken der Pflegekräfte ausgetragen wird und hingenommen wird, da es zu dem Berufsrisiko dazugehört“, betont Börsch.

Hintergrund: Mit der einstimmigen Verabschiedung des Heilberufsgesetzes durch den rheinland-pfälzischen Landtag im Dezember 2014 ist die Landespflegekammer errichtet worden. Seit dem 01. Januar 2016 haben die Pflegenden im Land damit eine kraftvolle Interessenvertretung erhalten. Die Landespflegekammer mit ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern nimmt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Mitglieder wahr.

Die Vertreterversammlung hat in der Sitzung vom 02. März 2016 den Vorstand der Landespflegekammer gewählt. Präsident der Kammer ist Dr. Markus Mai. Zur Vizepräsidentin wurde Frau Sandra Postel gewählt. Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind Andrea Bergsträßer, Hans-Josef Börsch, Angelika Broda, Karim Elkhawaga, Esther Ehrenstein, Renate Herzer und Christa Wollstädter.

Markus Golla
Über Markus Golla 3185 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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