DE: Behinderung erleben

(C) Foto: Carsten Rensinghoff

Beim Spiegelzeichnen, Einhandfrühstück oder Rollstuhlparcours konnten Interessierte in der Stadtgalerie selbst erfahren, welche Hürden Menschen mit Behinderungen zu bewältigen haben

Die Studierenden des vom Lehrbeauftragten Dr. Carsten Rensinghoff geleiteten Seminars „Peer Support – Behinderung erleben“ der Fakultät für Kulturreflexion – Studium fundamentale der Universität Witten/Herdecke (UW/H) haben am 11. Januar 2018 eine öffentliche Veranstaltung durchgeführt. In der Shoppingmall der StadtGalerie in Witten konnten die Besucher am eigenen Leib Behinderung erleben.

Beim Spiegelzeichnen musste ein Stern nachgezeichnet werden. Hierfür durften die Probandinnen und Probanden aber nur in den Spiegel schauen.

Reaktionen:
Sarah B., 21 Jahre: „Die Linien gerade zu zeichnen war eine Herausforderung. Auch die Richtungen richtig einzuschätzen war schwieriger als erwartet.“

Hanna B., 21 Jahre: „Zuerst ist man total durcheinander und weiß nicht, wo oben oder unten und rechts oder links ist. Aber nach ein paar Durchgängen gewöhnt man sich dran.“

Moana G., 28 Jahre: „Die ersten Zacken gingen gut, dann wusste ich überhaupt nicht mehr wo oben oder rechts oder links ist. Eine gerade Linie war gar nicht möglich. Interessante Erfahrung.“

Stefan B., 41 Jahre: „Schwieriger als gedacht! Ich habe es dann geschafft, indem ich beim Zeichnen an den nicht gespiegelten Stern gedacht habe.“

Beim Einhandfrühstück sollten die Menschen einhändig mit der nicht dominanten Hand ein Brötchen aufschneiden und mit Portionsware, wie es sie in Hotels oder Krankenhäusern oft noch gibt, zubereiten.

Reaktionen:
Desideria C., 13 Jahre: „Es war sehr kompliziert, aber es ging! Für immer, denke ich, wäre es sehr anstrengend.“

Leo, 22 Jahre: „Auf jeden Fall sehr schwierig. Wäre für mich nichts auf Dauer!“

Simon, 30 Jahre: „Dachte, ich würde mich cleverer anstellen und nicht wie ein Neandertaler.“

Werner, 66 Jahre: „Mit zwei Händen geht‘s besser! Bin satt geworden. Für einen ersten Versuch hat es also nicht schlecht funktioniert.“

Margot, 59 Jahre: „Da ich Rechtshänder bin ist es schwierig mit der linken Hand alleine ein Brötchen zu schmieren, aber es geht sehr gut, wenn man will!“

Stefan B., 41 Jahre: „Sehr schwierig. So dauert das Frühstück bestimmt dreimal so lange!“

Mit dem Rollstuhl sollten die Geschäfte in der StadtGalerie erkundet werden.

Reaktionen:
Jan C., 26 Jahre: „Besonders ungewöhnlich war zuerst die Perspektive. In den Geschäften sind alle Werbetafeln viel zu hoch aufgehängt. Auch beim Bezahlen wird es richtig schwierig. Aber die Passanten waren alle sehr hilfsbereit.“

Clemens v.d.G., 28 Jahre: „Es war eine spannende Erfahrung. Ich habe mit mehr Problemen im Einkaufszentrum gerechnet. Wenn man an höhere Regale nicht herangekommen ist, haben schnell Leute ihre Hilfe angeboten. Auch wenn einen mehr Blicke getroffen haben als gewöhnlich, habe ich diese keineswegs als unangenehm (Pannwitzblick) empfunden.“

Bianka, 45 Jahre: „Es war mal interessant, die Umgebung aus der Sicht eines ‚Rollstuhlfahrers‘ zu erleben. Es war anstrengend, man kommt nicht in alle Geschäfte. Die Leute nehmen aber meistens Rücksicht auf einen!“

Andere Erfahrungen:
Weiblich, 52 Jahre: „Ich habe selbst zwei behinderte Kinder und leider auch viele negative Erfahrungen gemacht. Mein geistig behinderter Sohn wurde gehänselt und ich musste mir bei meiner zweiten Schwangerschaft Sprüche anhören, wie: ‚Wieso bekommen Sie weitere Kinder, wenn Ihr Erstes schon behindert ist?‘ Meine Kinder sind umgezogen und fühlen sich jetzt sehr wohl. Ich freue mich, dass Sie mit einer solchen Aktion für mehr Verständnis in der Gesellschaft sorgen!“

Über Markus Golla 2256 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege - Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

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