Das war das 10. Pflege Management Forum des Business Circle

Ein Teilnehmerbericht

Cura 2018
Kornelia Fiausch

Am 8. und 9. März war es soweit! Das Pflege Management Forum des Business Circle feierte seinen 10. Geburtstag. gebührend im Radisson Blu Park Royal Palace Hotel. Natürlich gab es wie immer ein großartiges Sammelsurium an Themen, welches es wirklich schwierig machte, sich auf die Schnelle zu entscheiden. Allein die ModeratorInnen dieser Veranstaltung machten es zu einem ganz besonderen Ereignis. Ein Grund für Pflege Professionell diese Veranstaltung neugierig zu besuchen…

Schnell füllten sich die vorderen Räumlichkeiten des Radisson Blu Park Royal Palace Hotel. Die Veranstaltung hatte noch nicht einmal begonnen und es wurde ab der ersten Minute genetzwerkt. Ein Zeichen dafür, dass diese Veranstaltung ein idealer Ort für Führungskräfte ist, um etwas zu bewegen und um neue Kontakte zu ergattern.

Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal

Nach den Eröffnungsreden der Veranstalter und einer Begrüßungsrede von Ursula Frohner (Präsidentin des ÖGKV) startete Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal des eigentliche Programm. Sein Vortrag „Pflege und Betreuung – den vielfältigen Qualifikationen Rechnung tragen“ zeigte auf, was das neue Gesetz für Gesundheits- und Krankenpflege für die Praxis bedeutet. Hierbei wurde die Begrifflichkeit „Eigenverantwortlichkeit“ genauer beleuchtet. Ein Wort, welches seiner Meinung nach nicht immer richtig interpretiert wird und welches auch eine Bürde für Menschen sein kann. Gerade dieser Vortrag brachte hervor, dass sich das neue Gesetz erst festigen muss und dass es Zeit ist, Denkweisen in gewissen Bereichen zu verifizieren oder zu ändern. Die Fragen „Wer macht nun was?“, „Wie führt man auf Augenhöhe?“ und „Welche Tätigkeiten machen wirklich Sinn, dass sie von der Ärzteschaft auf die Pflege delegiert werden?“ werden wohl weiterhin Wegbegleiter in den nächsten Jahren sein.

Dr. Waltraud Buchberger MSc

Es folgte „Die Zukunft der Pflegeausbildung – Herausforderungen, Zeitplan und wichtige Informationen für Führungskräfte“, vorgetragen von Dr. Waltraud Buchberger MSc (Ausbildungszentrum West) zeigte auf, wie schwer es derzeit ist die Lehrveranstaltungen/Klassen mit neuen SchülerInnen/StudentInnen zu füllen. Besonders interessant war hierbei, dass in Tirol ein Versuch gestartet wurde, MigrantInnen für diese Ausbildung zu begeistern. 10 Personen wurden hierzu eingeladen, sich mit diesem Berufsweg zu beschäftigen. Letztendlich blieb kein einziger, der nach einem Infotag und einem Praktikum eine solche Ausbildung starten wollte. Auch der Versuch mit Zeitungsannoncen zu werben, blieb ohne wirklich nennenswertem Ergebnis. Aus eigener Erfahrung kann man diesem Vortrag zu 100% zustimmen, da es auch in anderen Bundesländern schwierig scheint, die Ausbildungsplätze zu füllen.

Dr. Meinhild Hausreither

Dr. Meinhild Hausreither, Mag. Regina Aistleithner und Mag. Manuela Blum präsentierten die Neuigkeiten zum Thema GuKG und Registrierung der Gesundheitsberufe. Die Änderungen des GuKG (2017) scheinen nun in der Praxis angekommen zu sein, es wurden auch zu den neuen Berufsbildern keine neuen großen Anfragen gestellt. Ob das Gesetz nun wirklich so bleibt wie es ist, wird sich in einigen Jahren entscheiden. Hierbei ist es besonders wichtig zu wissen, dass sich durchaus noch viele Sachen nach der Evaluierung 2022 ändern können. Hingegen bei der Registrierung ist nun alles beschlossen. Die Registrierung ist verpflichtend für alle Pflegepersonen und startet im Sommer. Hierbei kann man sich online über www.gbr.gv.at informieren oder anmelden. Für all diejenigen, die eher einen traditionellen Administrationsweg wählen wollen, haben ab dem Sommer die Möglichkeit, sich direkt bei der Arbeiterkammer zu registrieren. Die Arbeiterkammer Österreich wird versuchen direkte Anmeldemöglichkeiten bei den jeweiligen Trägern anzubieten. Dies ist aber eine Entscheidung der Führungskräfte, ob sie dies für ihr Haus wünschen.

Sandra Mantz

Wenn man als Kommunikationstrainer die einstimmenden Worte einer Kollegin hört, denkt man sich meist „Na gut dann hör ich mir das mal an, was ich wöchentlich meinen KundInnen erzähle.“ Doch dies sollte sich schnell ändern. Sandra Mantz schafft es nachdenklich zu stimmen, sich der eigenen Rhetorik bewusster zu werden und begeistert mit einem Lächeln und einer Leichtigkeit, wie es nur wenige können. Gerade in einer Zeit, in der sich nahezu alle auf der Überholspur des Lebens befinden, sind solche Vorträge essenziell, um über das eigene Wirken nachzudenken. Ihre Key-Note: „Wir müssen reden – Kommunikationskompetenz als Erfolgsfaktor für die interprofessionelle Zusammenarbeit“ begeisterte so einige Führungskräfte, die sich gleich den Namen notierten und darüber leise diskutierten, wann man den Vortrag ins eigene Haus holt.

Dr. Christoph Zulehner

Die Key-Note von Dr. Christoph Zulehner ist ein „Zulehner Vortrag“. Dies sollte fast schon ein Synonym für qualitativ hochwertige deutschsprachige Key-Notes werden. Ein Feuerwerk aus Informationen, Geschichten aus dem Leben des Speakers und Anekdoten aus der Wirtschaft vereinen sich zu einem 45minütigen Vortrag der Sonderklasse. Hierbei gibt es viele Lacher, aber auch vieles zum Nachdenken. „Ko-Kompetenz – Die Zukunft der Zusammenarbeit“ weist aus, dass es kaum mehr Sinn macht nur noch generalistisch aufgestellt zu sein. Fachexpertise die interdisziplinär mit anderen FachexpertInnen vernetzt ist, kann nur laut Dr. Christoph Zulehner die einzige Antwort auf die Fragen der heutigen Führungskräfte sein. Ein idealer Höhepunkt am Ende des ersten Vormittags.

Nach einer kurzen Mittagspause, in der wieder kräftig genetzwerkt wurde, musste man sich nun entscheiden, zu welchem Thema man Vorträge hören wollte. Hierbei gab es die Panels „Digitalisierung“, „Praktische Ausbildung“, „Zusammenarbeit“ und „Demenz“. Da man sich nur für ein Panel entscheiden konnte, war es wirklich schwierig, eine Entscheidung zu treffen.

v.l.n.r.: Kornelia Fiausch, DGKS MMag. Dr. Elisabeth Rappold, Pflegedirektor Markus Grollitsch B.A.

Unsere Redaktion entschloss sich das Panel „Demenz“ zu besuchen, da wir gerade in diesem Bereich dieses Jahr noch einiges präsentieren wollen. Die professionelle, familiäre Präsentationsart von Kornelia Fiausch, macht den Einstieg in dieses schwere Thema angenehm und steigert die Spannung auf das Kommende. Als erstes berichtet DGKS MMag. Dr. Elisabeth Rappold über die Entwicklungen zum Thema Demenz-Strategien in Österreich. Auf diesem Sektor hat sich eine Menge in ganz Österreich getan. Viele der Projekte werden auf https://www.demenzstrategie.at/ präsentiert. Die Liste der Praxisbeispiele scheint endlos lang und lässt hoffen, dass Österreich gut auf die demografische Entwicklung und auf die Herausforderung „Demenz“ vorbereitet ist. Im Anschluss präsentiert Pflegedirektor Markus Grollitsch B.A. ein solches Projekt. Das Kärntner Krankenhaus LKH Haas hat hierbei die Informationsweitergabe von Pflegeeinrichtungen, HausärztInnen und Institutionen klar im Fokus. Nur durch eine Vernetzung der Informationsquellen kann eine gute Betreuung gewährleistet sein. Zum Abschluss der Präsentationen wurde noch fachlich diskutiert.

Dr. Steffi Burkhart

Nach einer Trennung durch diverse Panels wurde nun wieder im gesamten Plenum berichtet. Dr. Steffi Burkhart präsentierte die Herausforderungen und Denkweisen der Generation Y (und Z). Gerade bei der Personalplanung stoßen hier viele Führungskräfte an ihre Grenzen, da die jungen Generationen andere Prioritäten haben, als die Generation X und Generation Babyboomer. Teilzeit, Selbstverwirklichung und schlanke Hierarchien stehen im absoluten Vordergrund. Man möchte nicht mehr in einem System integriert sein, sondern lieber zuarbeiten. Aus den Rängen der ZuhörerInnen folgt auf der einen Seite Zuspruch, andere wiederum verneinen diese Aussagen. So entsteht eine interessante Diskussion in den Reihen der TeilnehmerInnen. Als Veranstalter kann man sich einen solch regen Austausch nur wünschen. Auftrag: perfekt absolviert.

Bevor es nun ans Geburtstagsfeiern (10 Jahre Pflege Management Forum) geht, werden noch die Preise des Cura 2018 bekannt gegeben. Hierzu kam Bundesministerin Mag. Beate Hartinger-Klein persönlich vorbei, um die Preise zu übergeben. Die Jury (Dr. Margarethe Grasser, Mag. Lisa Haderer,Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer,Mag. Monika Wild, MAS, MSc, Margret Hader & Ursula Frohner) mussten aus einer Vielzahl an eingesandten Projekten entscheiden. Normalerweise gab es bisher zwei Preise: Sieger im Bereich Langzeitpflege & Sieger im Bereich Akutpflege. Doch dieses Jahr gab es ein so großartiges innovatives Projekt, dass des zu einem Sonderpreis kam.

Cura 2018

Sieger im Bereich Langzeitpflege: Dieser Preis ging an das Haus der Barmherzigkeit für ihr Projekt „Förderung der Mundgesundheit von BewohnerInnen“. Ziel dieses Pilotprojektes war es, im Rahmen einer Praxisforschung aufzuzeigen, wie die Verbesserung der Mundgesundheit von BewohnerInnen einer Langzeitpflegeeinrichtung durch fachliches Stärken der Pflegemitarbeiterinnen und ‐mitarbeiter ermöglicht wird. Mit einer quantitativen Interventionsstudie und den Befragungen der BewohnerInnen und MitarbeiterInnen konnte bewiesen werden, dass Schulungen einen positiven Effekt auf die Mundgesundheit der BewohnerInnen haben. Übernommen wurde der Preis von der Pflegedirektorin Mag. Claudia Fida: „Wir wünschen uns, dass in unserer Einrichtung Mundhygiene mit entsprechendem Personal angeboten wird. Da sind wir dran, damit wir das schaffen werden.“

Sieger im Bereich Akutpflege: Hier wurde das Projekt des AKH Wien – Medizinischer Universitätscampus zur Implementierung eines multiprofessionellen Schmerzmanagements für PatientInnen mit akuten Schmerzen“ ausgezeichnet. Im AKH Wien wurde vor dem Projektstart multiprofessionelles, systematisches Schmerzmanagement nur punktuell umgesetzt. Da aber adäquate Schmerzbehandlung einen wesentlichen Aspekt der Betreuungsqualität darstellt, war es das Ziel den „Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen“ (DNQP, 2011) stationsübergreifend zu implementieren. Den Preis übernahm Karl-Heinz Weber, Direktion des Pflegedienstes. „Die größte Herausforderung war es, dass wir Schmerzmanagement zwar sehr gut betreiben, jedoch eine Systematik gefehlt habe. Die größte Motivation war es, dass viele MitarbeiterInnen so begeistert mit dabei waren,“ so Weber.

Sieger der Sonderkategorie: Hier wurde das Projekt „Was kommt nach der Intensivstation ‐ Beatmungspflege zu Hause“ von CURAplus ausgzeichnet. Auf Grund des medizinischen Fortschritts überleben immer mehr schwer erkrankte oder verunfallte Menschen. Einige von ihnen können jedoch nicht von der invasiven Beatmung entwöhnt werden. Bis dato gab es in Österreich keine fachpflegerische Unterstützung und Beratung für Betroffene und Angehörige. CURAplus hat es sich daher zum Ziel gesetzt, Kinder und Erwachsene mit invasiver Beatmung professionell zu unterstützen, um so eine menschliche und sichere Versorgung sowie Pflege im vertrauten Umfeld zu gewährleisten, denn die Unterbringung in stationären Einrichtungen ist für den Großteil keine wirkliche Option. Übernommen wurde der Preis von CEO und Gründer Michael Tesar, der sich nicht nur bei all seinen MitstreiterInnen und MitarbeiterInnen bedankte, sondern auch bei „all jenen, die ihnen Steine in den Weg gelegt haben. Denn nur so sind wir jetzt da, wo wir sind.“ Er wünsche sich, dass das Projekt auch in anderen Bundesländern umgesetzt wird.

Judith von Musil , MPH MSc

Der zweite Tag wurde wieder mit parallelen Vorträgen gestartet. Die unterschiedlichen Panels „Dokumentation & Prozesse“, „Pflegewissenschaft“, „Entlassungsmanagement“ und „Umsetzung GuKG-Novelle“ machten eine Entscheidung abermals wirklich schwierig.

Der Titel „Schlanke Pflegedokumentation – Pflegeheime denken NEU“ wirkt vielleicht für den einen oder anderen nicht wirklich prickelnd, da Pflegedokumentation für viele mehr Leid und Bürde als wichtiges Werkzeug gesehen wird. Doch bei einem Vortrag von Judith von Musil , MPH MSc ist dies zu 100% anders. Fragen wie „Was brauchen wir wirklich an Pflegedokumentation?“, „Wie kann die Praxis gut mit Pflegediagnosen umgehen?“ und „Was braucht die Praxis?“ Praxisnah, praxisbezogen und für PraktikerInnen beschreibt die Vortragende auf eine geniale Art und Weise, was essenziell ist. Mittlerweile ist es eine Seltenheit, eine solche Präsentation zu erleben, die wirklich aufzeigt, was die Fachkräfte am Patienten brauchen und es primär um Pflegediagnosen geht. Prädikat: PERFEKT!

 

Pflegedirektorin Barbara Hahn BSc
Helene Breiteneder-Aigner MSc

 

 

 

 

 

 

Der zweite Paneldurchgang brachte nun die Kategorien „Dokumentation und Prozesse“, „Finanzierung“, „Palliative Care & Primärversorgung“ und „Umsetzung der GuKG-Novelle“. Hierbei war für uns besonders interessant, wie das St. Anna Kinderspital die GuKG-Novelle im Kinderspital umsetzte. Pflegedirektorin Barbara Hahn BSc und Helene Breiteneder-Aigner MSc berichteten von den einzelnen Prozessschritten und dem IST-Stand dieses Projektes. Das Ganze erfolgte nicht über den Köpfen des Personals hinweg. Das gemeinsame Überlegen und Tun stand hier im absoluten Vordergrund. Natürlich schien es auch die üblichen Hürden gegeben zu haben, doch dies wurde souverän gelöst. Die beiden Vortragenden lieferten nicht nur gute Berichte und Informationen, sondern zeigten auch auf der Bühne, dass ein Miteinander auf Augenhöhe im St. Anna Kinderspital wertschätzend abläuft.

Dr. Johannes Hilbe M.Sc

Der für uns letzte mögliche Beitrag kam aus Tirol. Dr. Johannes Hilbe M.Sc präsentierte sein „Pflegebett 4.0“. Was sich wie ein Update einer Bedienungssoftware anhört, ist in Wirklichkeit eine bahnbrechende Erfindung, die das Arbeiten auf Intensivstationen oder Überwachungseinheiten absolut revolutionieren wird. Monitormessungen ohne Kabel am Patienten. Doch dies ist nur eine Funktion, die das neue Produkt von Dr. Hilbe M.Sc bewerkstelligt. Wir waren so von dieser Präsentation beeindruckt, dass wir uns erlaubten den Vortragenden zu unserem eigenen Symposium als Redner am 2. Oktober einzuladen.

Am Ende des 10. Pflege Management Forums des Business Circle wurden noch alle Gewinner des Cura 2018 entsprechend präsentiert. In einer kleinen Podiumsdiskussion stellten nun alle ihre Projektergebnisse vor. Das 10. Forum war für uns ein absolutes Highlight des Jahres 2018. Es zeigte, wie innovativ Pflege sein kann, welche Handlungsfelder im Bereich Management derzeit bearbeitet werden und bot trotzdem genug Platz, um seine Netzwerkkontakte zu erweitern. Die Organisation war absolut perfekt und brachte für jeden das notwendige Tool. Während die einen BesucherInnen auf einem Forumsprogramm ihre Notizen ausfüllten, nutzten die anderen ein spezielles Business Circle App. Rundherum kann man den Veranstaltern nur gratulieren. Wir werden nächstes Jahr mit Sicherheit wieder berichten und das nächste Mal mit mehr MitarbeiterInnen anwesend sein, um auch wirklich über alle Inhalte schreiben zu können. DANKE BUSINESS CIRCLE !

Best Practice aus der Praxis für die Praxis

 

 

 

 

 

 

 

Markus Golla
Über Markus Golla 2591 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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