Bildungsmöglichkeiten in Österreich: Aromapflege

Das Diplom ist erst der Anfang einer langen Reise. Weiter- bzw. Fortbildungsmöglichkeiten erweitern das Spektrum zur Spezialisierung und Fachexpertise...

(C) Gerhard Seybert

Nach dem absolvieren der Diplomprüfung und dem Führen der Berufsbezeichnung DGKS/P verpflichtet sich jede Pflegeperson sich im Ausmaß von mindestens 40 Wochenstunden in fünf Jahren fort und oder weiter zu bilden und über diesen einen Nachweis zu bringen. Was unter Fort- beziehungsweise Weiterbildung bezeichnet werden darf ist in den § 63 und 64 bis 73 genau geregelt. Zur Begriffsbestimmung ist noch anzuführen, dass eine Fortbildung gemäß § 63 eine Wissensvertiefung bedeutet und eine Weiterbildung gemäß § 64 eine Erweiterung des Wissens bewirkt. Zu Sonderausbildungen § 65 ist die gehobene Gesundheits- und Krankenpflegeperson verpflichtet, wenn er/sie in einem erweiterten Tätigkeitsbereich gemäß § 17 Abs. 1 tätig wird. Sonderausbildungen sind zu Ausübung von Spezialaufgaben oder Lehraufgaben oder Führungsaufgaben erforderlich und benötigen die theoretischen und praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln. Die wichtigsten drei § 63, 64 und 65 werden näher angeführt.

Fortbildung § 63
(1) Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege sind verpflichtet zur:
• Information über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse insbesondere der Pflegewissenschaft sowie der medizinischen Wissenschaft oder
• Vertiefung der in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten
Innerhalb von jeweils fünf Jahren Fortbildungen von der Dauer von mindestens 40 Stunden zu besuchen.
(2) Über den Besuch einer Fortbildung ist eine Bestätigung auszustellen.

Weiterbildungen § 64
Durch Weiterbildung werden die persönlichen Kenntnisse und Fertigkeiten der Pflegepersonen ausgedehnt, sie ist jedoch nicht gesetzlich verpflichtend. Beispiele von Gebieten für die Weiterbildung sind Pflege von alten Menschen und chronisch Kranken, Hauskrankenpflege, Arbeitsmedizinische Tätigkeiten, Onkologische Pflege, Kardiologische Pflege. Um eine Mindestqualifikation zu gewährleisten, dürfen Weiterbildungen eine Dauer von vier Wochen nicht unterschreiten. Sie schließen mit einer Prüfung und einem Zeugnis ab.

(1) Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege sind berechtigt, Weiterbildungen zu Erweiterung der in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zu absolvieren. Diese haben vier Wochen zu umfassen.
(2) Weiterbildungen gemäß Abs. 1 können im Rahmen eines Dienstverhältnisses erfolgen.
(3) Die Abhaltung von Weiterbildungen gemäß Abs. 1 bedarf der Bewilligung des Landeshauptmannes / der Landeshauptfrau. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn die organisatorischen und fachlichen Voraussetzungen für die Vermittlung der Berufserfordernissen entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten gewährleistet sind.
(4) Gegen Bescheide des Landeshauptmannes / der Landeshauptfrau gemäß Abs 3 ist eine Berufung nicht zulässig.
(5) Nach Abschluss einer Weiterbildung gemäß Abs. 1 ist eine Prüfung abzunehmen. Über die erfolgreich abgelegte Prüfung ist ein Zeugnis auszustellen.
(6) Die erfolgreiche Absolvierung einer Weiterbildung berechtigt zur Führung einer Zusatzbezeichnung gemäß § 12 Abs 2.

Sonderausbildungen § 65
(1) Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege sind verpflichtet, eine Sonderausbildung zu absolvieren, sofern sie in einem erweiterten Tätigkeitsbereich gemäß § 17 Abs 1 tätig werden. Sonderausbildungen haben die zur Ausübung von 1. Spezialaufgaben oder 2. Lehraufgaben oder 3. Führungsaufgaben erfordernden theoretischen und praktischen Kenntnissen und Fertigkeiten zu vermitteln.
(2) Entfällt (BGBI I 6/2004)
(3) Entfällt (BGBI I 69/2005)
(4) Sonderausbildungen haben unter der Leitung eines diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegers zu stehen, der zur Ausübung von Lehraufgaben berechtigt ist. Bei Sonderaufgaben gemäß Abs 1 Z1 und 3 ist zusätzlich die Berechtigung zur Ausübung von Führungsaufgaben oder der entsprechenden Spezialaufgaben erforderlich.
(5) Die Abhaltung von Sonderausbildungen gemäß Abs 1 bedarf der Bewilligung des Landeshauptmannes / der landeshauptfrau. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn die Voraussetzungen für die Vermittlung der für Spezial-, Lehr und Führungsaufgaben erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten gewährleistet sind. Gegen diese Bescheide des Landeshauptmannes / der Landeshauptfrau ist eine Berufung nicht zulässig.
(6) Prüfungen und Praktika, die im Rahmen
1. Eines Universitäts- oder Hochschulstudiums,
2. Einer Sonderausbildung oder Weiterbildung nach den Bestimmungen dieses Bundesgesetzes oder
3. einer sonstigen höheren Ausbildung erfolgreich absolviert wurden, sind auf die entsprechenden Prüfungen und Praktika einer Sonderausbildung durch den Leiter der Sonderausbildung insoweit anzurechnen, als sie nach Inhalt und Umfang gleichwertig sind.
(7) Nach Abschluss einer Sonderausbildung gemäß Abs 1 ist eine kommissionelle Prüfung abzulegen, Unter die erfolgreich abgelegte Prüfung ist eine Diplom auszustellen.
(8) Die erfolgreiche Absolvierung einer Sonderausbildung berechtigt zur Führung einer Zusatzbezeichnung zur Führung einer Zusatzbezeichnung
gemäß § 12 Abs 2
(9) Entfällt (BGBI I 6/2004)

Aromapflege (Definition)
Aromapflege ist die professionelle Anwendung von ätherischen Ölen, fetten Pflanzenölen und Hydrolaten sowie den daraus hergestellten Pflegeprodukten im pflegerischen bzw. klinischen Bereich, die gezielte Behandlung von Alltagbeschwerden zu Hause als auch die Verwendung im Wellness- und Schönheitsbereich (Vgl. Steflitsch W. et al., 2007, S. 7f).

Aromapflege ist eine komplementäre Pflegemethode, die durch ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in die unterschiedlichsten Teilgebiete der Kranken-, Pflege- und Intensivpflegediensten Einzug gehalten hat. Sie zählt zu den neuen, modernen und zeitgemäßen Pflegemethoden mit dem Trend „zurück zur Natur“. Aromapflege gibt dem Pflegepersonal und auch den Angehörigen die Möglichkeit auf jeden Einzelnen einzugehen und orientiert sich an den Bedürfnissen des/der Patient/en/in. Für einen kompetenten, sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit den Patienten ist es unumgänglich, sich ein Fachwissen anzueignen. Im Bereich des eigenverantwortlichen Tätigkeitsfeldes und unter Berücksichtigung des GuKG dürfen Pflegepersonen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege Aromapflege durchführen. Unter Anleitung dürfen Pflegehelfer/ inn/en, Altenfachbetreuer/inn/en sowie Gesundheits- und Krankenpflegeschüler/inn/en die Aromapflege anwenden.

Aromapflegeprodukte dürfen nur in Apotheken oder in Fachfirmen hergestellt werden. In der Pflege werden ätherische Öle niemals in purer, unverdünnter Form gebraucht. Sie werden in den entsprechenden Mischungen in einem fetten Pflanzenöl oder Hydrolat angewendet. Die Dosierung erfolgt in der Aromapflege immer in sehr niedriger Konzentration. Obwohl Aromapflege Erfolge erzielt, hat sich gezeigt, dass sie gerade im Sinne der Salutogenese noch ausbaufähig ist (Vgl. Deutsch E., 2007, S. 371 – 375.). Die Qualität von ätherischen Ölen lässt sich aufgrund der Angaben auf dem Etikett und in der Preisliste des Anbieters einschätzen(Vgl. Steflitsch W. et al., 2007, S. 4.).

Praktische Umsetzung von „Schulungen“ nach §63 und § 64 in der Aromapflege
Um im Pflegealltag mit fetten Pflanzenölen, Hydrolanten, ätherischen Ölen und daraus hergestellten Pflegeprodukte arbeiten zu können wird empfohlen mindesten ein zweitägiges Basisseminar zu besuchen.

Basisseminar
Das Basisseminar oder Einführungsseminar sollte folgende Themen vermitteln:
• die Grundlagen der Aromapflege
• die Gewinnungsmethoden der ätherischen Öle und fetten Pflanzenöle
• die Qualitätskriterien
• die Lagerung und Haltbarkeit von ätherischen Ölen, fetten Pflanzenölen und Hydrolaten
• praktische Anwendungen wie Waschungen, Bäder, Hautpflege Wickel, Kompressen und Raumbeduftung
• Besprechung der wichtigsten ätherischen Öle und fetten Pflanzenöle
• Streifzug in die Biochemie der ätherischen Öle
• Physiologie der Geruchsinnes und der Haut
• Empfehlungen für die Umsetzung in der Gesundheits- und Krankenpflege
• gesetzliche Aspekte
(Vgl. Buchmayr B. et al., 2007, S. 15.)

Aufbauseminar
Das Aufbauseminar oder Fortsetzungsseminar und Fortbildungen beinhalten:
• Ausführliche Kenntnisse zur Biochemie der Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen und fetten Pflanzenölen
• die Botanik der ätherischen und fetten Ölpflanzen
• weitere Beschreibung ätherischer Öle für die Gesundheits- und Krankenpflege
• praktische Übungen mit Anwendungen von ätherischen Ölen und fetten Pflanzenölen in Form von Einreibungen, Wickel und Kompressen, Duftübungen und so weiter
• Erfahrungswerte und Erfahrungsaustausch
(Vgl. Buchmayr B. et al., 2007, S. 16.)

Weiterbildung „Aromapflege nach dem § 64 GuKG
Die Weiterbildung Aromapflege nach dem § 64 GuKG beinhaltet auch alle Inhalte des Einführungsund Aufbauseminares.
• Sie umfasst mindestens 180 Stunden
• Ausführliches Wissen in der Aromapflege in Theorie und Praxis
• Endet mit einer Abschlussprüfung
• Die Absolvent/inn/en sind nach einer erfolgreichen Prüfung berechtigt nach dem § 64 GuKG die Zusatzbezeichnung „Aromapflege zu führen

Die praktische Umsetzung der Aromapflege beim Patienten darf trotz absolvierter Seminare erst nach Genehmigung der Krankenanstaltsleitung (PDL, ärztlicher Leitung, Verwaltung) durchgeführt werden. Darüber hinaus ist die persönliche, gesunde Selbsteinschätzung der Anwender / innen und das Wissen über die Methode, sowie das Verantwortungsbewusstsein dem Patienten gegenüber, unerlässlich (Vgl. Buchmayr B. et al., 2007, S. 16.).

Fort- und Weiterbildungen auf dem Prüfstand
Es gibt bereits einen großen Markt an Fort und Weiterbildungsangeboten. Um aus der Masse eine zufriedenstellende und berufsrelevante Ausbildung auswählen zu können, sollte man darauf achten ob die Weiterbildung als Komplementäre Pflegemethode Aromapflege § 64 ausgeschrieben ist oder ob im Kontext erwähnt dass sie als solche anerkannt wird, denn nicht alle Weiterbildungen nach § 64 sind auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Es werden Weiterbildungen angeboten, deren Gesamtstundenanzahl sich zwischen 144 und 322 Stunden beläuft. Ob hier Mehr auch Besser entspricht sei in Frage gestellt, jedoch bedeuten mehr Stunden zumeist auch mehr Kosten. Um auf das Mindestmaß von 180 Stunden zu kommen, müsste es bei einer Ausbildung mit 144 Stunden jedoch zusätzliche Angebote geben, und dies sollte deutlich aus dem Curriculum hervorgehen.

Ein weiteres Qualitätskriterium ist die Präsenz von Pflegekräften im Referententeam und deren Vertrautheit mit der Thematik Aromapflege. Bei der Wahl der Ausbildung sollte man sich fragen ob eine Pflegekraft diese anbietet oder eine Person, die der Pflege fremd ist. Die Referentenanzahl variiert in den verschiedenen Weiterbildungen von 1-11 Personen und setzt sich sowohl aus Pflegekräften als auch aus Masseuren, Energetikern und Laien zusammen. Bei 6-7 Referenten ergibt sich eine gute Mischung um aus den unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln der Vortragenden zu lernen. Wichtig wäre auch das die rechtlichen Grundlagen von einer pflegenahen Person erläutert werden.

Auch beim Preis stößt man auf große Unterschiede. Die verglichenen Ausbildungen belaufen sich etwa zwischen €2600 und €3600. Hinzu kommen möglicherweise Mehrkosten für Material und eventuelle Nächtigungen in Kursortnähe. Ein dem Preis-Leistungs-Verhältnis angepasster Preis bei
180 Stunden beläuft sich bei etwa €2800.

Quellnachweise:
Buchmayr B. / Deutsch E. / Fink M. (2007): Aromapflege Handbuch – Leitfaden für den Einsatz ätherischer Öle in Gesundheits-, Krankenpflegeund Sozialberufen. Pflach: Verlag Grasl.

Deutsch E.(2007): Moderne Aromapflege. In: Steflitsch W., (Hrsg.) (2007): Aromatherapie. Wissenschaft – Klinik – Praxis. Wien: Springer, S. 371 – 375.

Steflitsch W., (Hrsg.) (2007): Aromatherapie. Wissenschaft – Klinik – Praxis. Wien: Springer.

www.jusline.at
www.ris.bka.gv.at
www.medizinrecht-pflegerecht.com
www.oegkv.at
http://www.wifisalzburg.at
www.bfi-ooe.at
http://www.aromainfo.at
http://www.aromapflege.com


Autorin:
 Martina Braun, MBA
Titel: Bildungsmöglichkeiten in Österreich: Aromapflege
Ausgabe: Pflege Professionell 01/2015
Link: Zur kompletten Ausgabe

Über Martina Braun 5 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, MBA Studium Gesundheits- und Sozialmanagement

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