Basiswissen Aromapflege: Das Wesen der ätherischen Öle

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Geschichtlicher Hintergrund:
Ätherisch kommt vom griechischen „aither“ und bedeutet Himmelsluft – Aither war der Wohnsitz der Götter. In der Neuzeit bezeichnete er den feinsten Stoff der alles durchdringt. Die Alchemisten bezeichneten ätherische Öle als „Quintia esentia“. Es bedeutet das fünfte Seidenen – neben den 4 Elementen. Es wurden damit der Geist das Wesen und die Quintessenz einer Sache gemeint. Die Franzosen und die Engländer benannten es mit „essences“ und „essential oils“ mit der Bedeutung wesentliche Öle. Dies drückt aus wie ätherische Öle von jeher wahrgenommen wurden. Und Bezeichnen treffend das Essentielle, die Lebenskraft bzw. die Seele der Pflanzen.

Was sind ätherische Öle?
Ätherische Öle sind Duftstoffe der Pflanzen, welche in unterschiedlicher Menge und Zusammensetzung in den verschiedensten Teilen der Pflanze vorkommen. Sie sind in den Wurzeln, den Blättern, den Früchten und Samen sowie den Blüten enthalten, des weiteren können sie in Holz, Harz und Nadeln gefunden werden. Die Öltröpfchen werden in den kleinen Drüsen der Pflanze gebildet und stellen die öllöslichen, leicht flüchtigen Substanzen dar und gehören zu den Stoffwechselprodukten der Pflanzen. Durch die speziellen Duftstoffe einer Pflanze ist es dem Menschen möglich die Bedeutung und Wirkung zu verstehen. Für die Entwicklung von Duftstoffen werden die vier Elemente Luft, Licht, Wasser und Erde benötigt. Duftstoffe werden auch gebraucht um Insekten für eine Bestäubung anzulocken, aber auch um nicht gefressen zu werden. Der aromatragende Teil der Pflanze stellt somit das Abwehrsystem dar. Die Duftmoleküle schützen Pflanzen aber auch vor Wettereinflüssen wie Hitze und Kälte in dem sie die Pflanze mit einer hauchdünnen Ölschicht ummanteln. Pflanzen kommunizieren über Duftstoffe miteinander und ziehen sich dadurch an oder stoßen sich ab. Manche mögen es dicht nebeneinander gedrängt zu wachsen andere brauchen wiederum Abstand und Platz.

Ein und dieselbe Pflanze kann zu unterschiedlicher Tages und Jahreszeit einen anderen Duftstoff produzieren. Deshalb ist das Wissen um den richtigen Erntezeitpunkt und die richtige Destillationsdauer von Bedeutung. Dieses Wissen wird in Familien über Generationen weitergegeben. Der Erfahrungsschatz ist ein wichtiges Hintergrundwissen für die Herstellung ätherischer Öle damit sie immer die gleiche Qualität und Inhaltstoffe aufweisen. Da sie im Vergleich zu den fetten Pflanzenölen leicht flüchtig sind, hängt die Qualität sehr von den Witterungsverhältnissen ab. Die Flüchtigkeit kann durch aufträufeln auf ein Fliespapier nachgewiesen werden. Nach kurzer Zeit ist das ätherische Öl verdunstet und es hinterlässt keinen Fettfleck.

Unterschied genuiner (natürlicher) und synthetischer Duftstoffe
Genuine Duftstoffe sind teuer und haben einen unterschiedlichen Duft bedingst durch die Umwelteinflüsse. Sie haben eine unterschiedliche Halbwertszeit und verfliegen rasch. Zudem sind sie sehr stoffwechselaktiv, entschlackend und können Hautreaktionen hervorrufen – „ die Haut wacht auf“. Des Weiteren sind sie wechselnde Vielstoffgemische die der Organismus kennt und deshalb sehr gut abbaubar. Sie Stärken das Immunsystem, die Zellen, das Zellmilieu, die Haut, die Psyche und fördern die Selbstheilkräfte. Genuine Duftstoffe sind seit 2,5 Milliarden Jahren bekannt.

Synthetische Duftstoffe sind Preiswert und haben immer denselben Geruch. Sie sind sehr lange haltbar und haben einen langanhaltenden Duft. Da sie kaum Stoffwechselaktiv sind haben sie eine gute Hautverträglichkeit. Zudem haben sie gleichbleibende Inhaltsstoffe die der Organismus aber nicht kennt. Sie sind kaum abbaubar und lagern sich im Gewebe ab. Auf längere Zeit gesehen schwächen sie das Immunsystem, die Zellen, das Zellmilieu sowie die Psyche und Selbstheilungskräfte. Organische Chemie ist erst seit ca. 250 Jahren bekannt und davon die Duftstoffe erst wenige Jahrzehnte.

Qualitätsmerkmale von ätherischen Ölen
Die nachfolgenden Angaben sollten auf dem Etikett des ätherischen Öls oder im Katalog bzw. der Preisliste angeführt sein.

• Der deutsche oder lateinische Pflanzenname um die Eindeutigkeit nachzuweisen
• Die Angabe des Pflanzenteiles ob Blüte, Kraut, Blatt oder Wurzel,….)
• Das Ursprungsland (Staat) – je nach Region kann sich das ätherische Öl etwas anders zusammensetzen
• Die Abfüllmenge in Milliliter (10, 5 oder 1 ml …) teure Öle werden mit Jojobaöl oder Alkohol verdünnt um anwendungsfreundlicher und preiswerter zu werden – größere Abfüllmengen wie 50 ml sind nicht empfehlenswert, da der Verbrauch da durch erhöht wird
• Das Gewinnungsverfahren muss angeführt sein (Wasserdampfdestillation, Wasserdestillation, Expression der Fruchtschale, Extraktion mit Lösungsmitteln)
• Die Qualität der Ursprungspflanze – Anbau (konventionell, kontrolliert Biologisch, kontrollierte Wildsammlung, rückstandskontrolliert) bei Bio – Qualität ist immer ein * hinter dem Namen sichtbar (Orange*)
• Zähflüssige ätherische Öle werden mit Weingeist oder Jojobaöl anwendungsfreundlicher gemacht – auf die Angabe des Zusatzes achten und der Menge – Benzoe, Tonkabohne, … sind solche ätherischen Öle
• Die Duftnote (Kopf, Herz, Basis), das Duftprofil (blumig, fruchtig,..) und das Duftthema (belebend, entspannend, …) dürfen auch nicht fehlen
• Die Chargennummer – es wird immer eine Probe in der Firma zurückgehalten und ein dazugehöriges Analysezertifikat wird ebenso hinterlegt
• Sicherheitshinweise – wegen der EU-Verordnung müssen verschieden Gefahrenzeichen wie das Andreaskreuz, eine Flamme für leicht entflammbar, oder ein Baum ohne Blatt für nicht ins Gewässer oder andere Zeichen aufgedruckt sein
• Die Herstellerfirma muss wegen der Produkthaftung angeben sein – könnte ja mal ein anderer Inhalt drinnen sein als auf dem Etikett angeben
• Auf dem Etikett muss der Vermerk „zur Wohnraumbeduftung“ wegen dem Lebensmittelschutzgesetz vermerkt sein da ätherische Öle darunter fallen und es muss ebenso „vor Kindern sicher aufbewahren“ aufgedruckt sein – in der Apotheke verkaufte ätherische Öle fallen unter das Apothekergesetz was bedeutet dass man in 10 verschiedenen Apotheken genau das gleiche erhält – also genormt
• Ätherische Öle werden in braunen oder violetten Fläschchen abgefüllt das nur dieses den erforderlichen Lichtschutz bietet
• Es sollte ebenso eine Kindersicherung (Schraubverschluss) und ein Tropfenzähler das Fläschchen ergänzen – der Tropfenzähler darf nie fehlen oder eine Pipette

Da es auf dem Markt auch viele ätherische Öle gibt die in der Natur nicht als reines ätherisches Öl vorhanden sind werden diese chemisch – synthetisch hergestellt. typische Düfte hierfür sind grüner Apfel, Flieder, Maiglöckchen, Mandelblüte, Erd-beer und viele mehr.

Jeder der sich hochwertige ätherische Öle zulegen möchte muss Preislisten und Kataloge durchforsten um zu erfahren, welche Informationen an den Kunden weitergegeben werden. Ein Tipp unter der Hand ist vertraue auf die Nase, sie hat (fast) immer Recht.

Folgende Firmen produzieren, beziehungsweise füllen nach den Qualitätskriterien ab und können ruhigen Gewissens eingekauft werden. Prima Vera, farfalla, arte Verde, Grüner Baum, Wadi, feeling, Maienfelser, Oshadhi, Jophiel, Sonnentor, TAO’s und bestimmt noch einige andere – die gängigsten wurden angeführt.

Autor: Martina Braun, MBA
Titel: Basiswissen Aromapflege: Das Wesen der ätherischen Öle
Ausgabe: Pflege Professionell 02/2015
Link: Zur kompletten Ausgabe

Quellnachweis:
Deutsch E. / Buchmayr B. / Eberle M., (20153): Aromapflege Handbuch – Leitfaden für den Einsatz ätherischer Öle in Gesundheits-, Krankenpflege und Sozialberufen. Pflach. Grasl.

Enz M., (2001): Das Wissen um die Heilkräfte der ätherischen Öle – Mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in der Gesundheitsvorsorge und in Heilberufen. Sulz-berg. Joy Verlag GmbH.

Price S. / Price L., 2009: Aromatherapie – Praxishandbuch für Pflege-, Kosmetik- und Gesundheitsberufe. Bern, Verlag Hans Huber, Hofgrefe

Samel G. / Krähmer B., 2005: Die heilende Energie der ätherischen Öle – Das große Praxisbuch der Aromastoffe – Aromaöle für Körper Geist und Seele nutzen, ganz-heitliche Duftberatung von A bis Z. München, Südwest Verlag ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH

Steflitsch W., (Hrsg.) (2013): Aromatherapie. Wissenschaft – Klinik – Praxis. Wien: Springer

Wabner D. / Beier C. (Hrsg.), 2011: Aromatherapie Grundlagen – Wirkprinzipien – Praxis. München: Urban & Fischer ein Imprint der Elsevier GmbH.

Werner M. / von Braunschweig R., 2014: Praxis Aromatherapie – Grundlagen, Steckbriefe, Indikationen. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co KG.

Zeh K., (2012): Handbuch Ätherische Öle – 65 Duftöle für die Hausapotheke, Schönheit und Genuss – umfassend – übersichtlich – kompakt. Oy – Mittelberg. Joy – Verlag.

Zimmermann E. (2011): Aromatherapie für Pflege und Heilberufe – Kursbuch für Ausbildung und Praxis. Stuttgart. Karl F. Haug Verlag.

Über Martina Braun 5 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, MBA Studium Gesundheits- und Sozialmanagement

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