AT: Selbst Passivrauch verursacht Diabetes

Passivrauchen (C) Kitty
Die Wissenschaft kann ausreichend Zahlen bieten. Die positive Auswirkung von Rauchverboten in der Gastronomie konnte schon durch Studien in Spanien und Belgien belegt werden. Dort steigen die Nichtraucherzahlen und sinken die Komplikationen und Gesundheitsausgaben messbar.
Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer

Wien (OTS) – In Österreich sterben jedes Jahr ca. 800 Menschen an den Folgen des Passivrauchens, dabei mehr Frauen als Männer. Zigarettenrauch trägt auch maßgeblich zur Entstehung von Diabetes bei. Bei einer bereits bestehenden Diabeteserkrankung wird die Wahrscheinlichkeit gefürchtete Folgeerkrankungen zu erleiden durch Rauchen und selbst durch Passivrauch deutlich erhöht. Raucher und Nichtraucher haben eine gemeinsame Verantwortung, Menschen vor den Folgen des Passivrauchens zu schützen. Gerade für besonders vulnerable Gruppen sind Gesetze der beste Schutz. Darum unterstützt die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) die Petition „Don’t Smoke – Das Nichtrauchergesetz muss bleiben“.

Die Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität Wien, erklärt: „Die Wissenschaft kann ausreichend Zahlen bieten. Die positive Auswirkung von Rauchverboten in der Gastronomie konnte schon durch Studien in Spanien und Belgien belegt werden. Dort steigen die Nichtraucherzahlen und sinken die Komplikationen und Gesundheitsausgaben messbar.“

Rauchen eine unterschätzte Gefahr bei Diabetes!

Was das Rauchen in der Lunge anrichtet und wie es Krebs fördert, ist bekannt. Viel weniger besprochen werden die Aus- und Wechselwirkungen des Tabakkonsums auf die Volkskrankheit Diabetes. OA Dr. Helmut Brath von der Diabetesambulanz des GZ Süd der Wiener Gebietskrankenkasse, Past-Sekretär der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG) und Vorstandsmitglied der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden warnt: „Der blaue Dunst greift mehrfach und gravierend die Stoffwechselprozesse des Körpers an. Kurz gesagt: Rauchen macht Diabetes und Rauchen verschlimmert Diabetes.“

Rauch(en) als Diabetesauslöser

Rauchende Erwachsene haben eine um ca. 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, einen Diabetes zu entwickeln, als Nichtraucher. Aber schon bei Passivrauchern erhöht sich das Risiko um 22 bis 33 Prozent. Brath erklärt den Zusammenhang: „Raucher haben einen höheren Blutzucker als Nichtraucher. Rauchen macht die Zellen unempfindlich gegen das körpereigene Insulin. Die steigende Unempfindlichkeit gegen Insulin ist der eigentliche Auslöser des Diabetes mellitus Typ 2, der häufigsten Diabeteserkrankung.“

Rauchen potenziert das Risiko an Diabetesfolgen zu erkranken

Diabetes kann zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Nierenversagen, Erblindungen und Amputationen führen. Und Rauchen verdoppelt bis verdreifacht dieses Risiko, sodass Menschen mit Diabetes ihr bereits sehr hohes Risiko für diese Diabeteskomplikationen noch weiter verstärken. So wird das ohnehin schon sehr hohe Risiko für Herzkreislaufkrankheiten von Diabetikerinnen durch Rauchen nochmals um ca. 50 Prozent angehoben. „Die Gefährdungen durch Rauchen und durch Diabetes potenzieren sich gegenseitig. Das Rauchen stellt einen der größten Risikofaktoren für alle Folgeerkrankungen des Diabetes dar und ist für die Stoffwechselpatienten besonders gefährlich“, betont Kautzky-Willer, „somit müssen gerade die über 600.000 Menschen mit Diabetes in Österreich vor Rauch geschützt und nicht zum Rauchen verleitet werden.“

ÖDG unterstützt Petition

Für die Österreichische Diabetes Gesellschaft steht der Schutz vor Passivrauch ganz klar an erster Stelle. „Rauchverbote im öffentlichen Bereich sollen nicht als Diskriminierung missverstanden werden. Sie zielen darauf ab, vor den gefährlichen Folgen des Rauchs zu schützen“, legt Brath dar. „Darum unterstützt die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) die Petition der Österreichischen Krebshilfe Don’t Smoke – Das Nichtrauchergesetz muss bleiben.“

Frauen besonders gefährdet

„Rauchen wirkt sich auf Frauen anders aus als auf Männer. Die schädliche Wirkung auf Herzkranzgefäße ist zum Beispiel bei Frauen um 25 Prozent höher“, erklärt Kautzky-Willer, die auch die Gendermedizin Unit der MedUni Wien leitet. „Im Gegensatz zu Männern sind die Raucherzahlen vor allem bei jungen Frauen noch immer nicht rückläufig, sondern ansteigend.“ Österreich belegt bei rauchenden Frauen den drittschlechtesten Platz in Europa, nur in Griechenland und Bulgarien gibt es noch mehr Raucherinnen.

Die positive Wirkung eines Rauchverbots in Lokalen wird durch eine besonders eindrucksvolle Zahl, bestätigt: beim Myokardinfarkt bei Frauen unter 60 ist die Sterblichkeit bei akutem Herzinfarkt um 34 Prozent seit Einführung des Rauchverbots in Belgien gesunken.

Schutz für jene, die sich nicht selbst schützen können

Kautzky-Willer weiter: „Gerade im Gastgewerbe arbeiten mehr Frauen als Männer als unselbstständig Beschäftigte, diese müssen gesetzlich geschützt werden. Die freie Wahl ihres Arbeitsplatzes ist in der Realität vieler Frauen eine Illusion. Es ist die Verantwortung einer Regierung das besonders vulnerable Gruppen geschützt werden.“

Chronisch Kranke haben eine höhere Rauchprävalenz als gesunde. Kautzky-Willer erklärt: „Leider sind besonders jene Menschen, die schon eine schwerwiegende gesundheitliche Problematik in ihrem Leben haben, anfällig für Suchtverhalten. Das Rauchen ist hier oft eine Ausprägung der psychischen Begleiterkrankungen einer physischen chronischen Erkrankung. Bei Abhängigkeit kann nicht von Wahlfreiheit gesprochen werden. Vielmehr müssen gerade diese Menschen vor jeder Verlockung geschützt werden, die sie zum Nikotinkonsum verleitet.“

Weiters brauchen ungeborene Kinder laut der Stoffwechselexpertin einen besonderen Schutz. Bereits Passivrauch bei Schwangeren kann negative gesundheitliche Auswirkungen auf den Fötus haben. Zum Beispiel können epigenetische Veränderungen an dem das Wachstum steuernden IGF-Gen auftreten, und das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und hohen Blutdruck im späteren Leben ansteigen.

Gerade Maßnahmen, die Jugendliche vor aktivem Tabakkonsum und Passivrauch bewahren, müssen rasch und mit der nötigen Ernsthaftigkeit durchgesetzt werden. Schon bei Jugendlichen, die rauchen, tritt das Metabolische Syndrom, eine Vorstufe von Diabetes, bis zu sechsmal häufiger auf, als bei nichtrauchenden Altersgenossen. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass sogar Jugendliche, die nur passiv mitrauchen und selbst nie zur Zigarette greifen, viermal häufiger das Metabolische Syndrom bekommen als Jugendliche in einer rauchfreien Umgebung.

Brath fasst zusammen: „Passivrauch verursacht in Österreich ca. 800 Tote pro Jahr. Passivrauch verursacht Diabetes. Wir haben – ob Raucher oder Nichtraucher – eine gemeinsame Verantwortung, Menschen vor den Folgen des Passivrauchens zu schützen. Jedes Zögern bringt schwere gesundheitliche Folgen – wie ein erhöhtes Diabetesrisiko – hervor.“

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Experten und Diabetes-Expertinnen. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind Ärzte und Ärztinnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte Akademiker und Akademikerinnen. Assoziierte Mitglieder sind Diabetesberater und Diabetesberaterinnen und Diätologen und Diätologinnen. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie setzt sich daher für die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert und fördert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie unterstützt die Forschung und verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes berührenden Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als auch zur bestmöglichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.

Informationen über die Aktivitäten der ÖDG finden Sie unter http://www.oedg.at/

Über Markus Golla 1780 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege - Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

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