AT: Influenza-Impfung in der Schwangerschaft ein „must

Impfen - (C) Alexander Raths

WHO plädiert für höchste Priorität in Impfprogrammen vor allen anderen Risikogruppen

In seltenen Fällen kann eine Influenza bei Schwangeren sogar tödlich sein. Leider ist das nicht nur in der Theorie so. Wir haben Schwangere mit schwerer Lungenentzündung aufgrund von Influenza an der Intensivstation über zwei Wochen im künstlichen Tiefschlaf beatmet. Ohne diese Maßnahmen wären sie gestorben Univ. Prof. Dr. Herbert Kiss von der Klinischen Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Medizinischen Universität Wien
Wien (OTS) – Impfen bei Schwangeren war lange Zeit ein No-Go. Das hat sich geändert. Gerade bei Krankheiten wie Influenza. Zum einen erkranken Schwangere oft im Falle einer Ansteckung besonders schwer. Zum anderen ist eine Impfung mit dem inaktivierten Influenza-Impfstoff ungefährlich und kann eine schwere Erkrankung in vielen Fällen verhindern. Außerdem ist so auch das Kind in den ersten Monaten nach der Geburt durch den sogenannten Nestschutz weiterhin geschützt. Ab einem Alter von sechs Monaten können und sollten Kinder selbst geimpft werden. 

In den USA und Kanada wurden Influenza-Impfungen bei Schwangeren schon in den 1960er Jahren durchgeführt. [1] Die WHO empfiehlt sie seit 2005[2] und sieht Schwangere als prioritäre Risikogruppe für bestimmte Impfungen an. Und auch der Österreichische Impfplan spricht sich ganz klar dafür aus.

Influenza gefährdet Mutter und Kind

Die Gründe für die Impfempfehlungen liegen auf der Hand: Eine Schwangerschaft verändert das Immunsystem der werdenden Mutter und macht sie anfälliger für Infektionen. Noch dazu verläuft eine Influenza-Infektion bei Schwangeren oft schwerer. „In seltenen Fällen kann eine Influenza bei Schwangeren sogar tödlich sein. Leider ist das nicht nur in der Theorie so. Wir haben Schwangere mit schwerer Lungenentzündung aufgrund von Influenza an der Intensivstation über zwei Wochen im künstlichen Tiefschlaf beatmet. Ohne diese Maßnahmen wären sie gestorben“, schildert Univ. Prof. Dr. Herbert Kiss von der Klinischen Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Medizinischen Universität Wien. „Diese Frauen haben vor der Influenza-Erkrankung oft keine gesundheitlichen Probleme gehabt.“

Auch für das ungeborene Kind kann eine Influenza-Infektion gravierende Folgen haben „Durch die schwere Erkrankung der Schwangeren kommt es häufiger zu Frühgeburten“, so Kiss.

Impfung schützt in mehrfacher Hinsicht

Für eine Impfung sprechen mehrere Gründe: Eine Influenza-Impfung kann während der Schwangerschaft die werdende Mutter vor einer Ansteckung schützen. Somit wird auch das Risiko reduziert, dass die Erkrankung auf das Kind übertragen wird. Außerdem werden über den Mutterkuchen Antikörper an den Fötus weitergegeben. Dadurch entsteht ein Schutz für die ersten Monate nach der Geburt. Das ist wichtig, weil Säuglinge bis zu einem Alter von sechs Monate nicht selbst geimpft werden können.[3] Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geimpft wurden, hatten in einer Studie mit fast 250.000 werdenden Müttern plus deren Kinder deutlich reduzierte Erkrankungsrisiken während der ersten sechs Lebensmonate: minus 64 Prozent bei Influenza-ähnlichen Erkrankungen, minus 70 Prozent bei der „echten“ Influenza und minus 81 Prozent bei Hospitalisierungen aufgrund von Influenza.[4]

Empfehlung durch Arzt wichtig

Trotz der überzeugenden Daten ist die Durchimpfungsrate auch bei schwangeren Frauen nach wie vor niedrig. „Hier fehlt ganz einfach das Wissen“, so Gynäkologe Kiss. „Daher ist es auch wichtig, dass wir Gynäkologen als betreuende Ärzte mehr Aufklärungsarbeit leisten.“ Daten zeigen, dass schwangere Frauen, denen eine Influenza-Impfung von ihrem Arzt empfohlen wurde, sich fünf Mal häufiger für eine Impfung entschieden haben als Frauen, die keine Empfehlung erhalten haben.[5]

Kleinkinder schützen

Der Österreichische Impfplan empfiehlt eine Influenza-Impfung auch für alle Kinder ab sechs Monaten. Und das hat seinen Grund: Daten aus den USA lassen darauf schließen, dass Kinder unter fünf Jahren ähnlich häufig wegen influenza-bedingten Komplikationen ins Spital müssen wie Erwachsene über 65 Jahre. Gesunde Kinder, besonders jene unter zwei Jahren, sind dabei genauso oft von schweren Influenza-Verläufen oder Komplikationen betroffen wie chronisch Kranke. Während der Influenza-Saison 2013/2014 betrafen 47 Prozent der Todesfälle bei Kindern in den USA solche, die keine Grunderkrankungen aufwiesen.[6] „Kinder sind die Vektoren für die Verbreitung der Infektion. Nicht umsonst wurde im sparsamen englischen Gesundheitssystem die Gratis-Influenza-Impfung für Kindergartenkinder um einen Jahrgang ausgedehnt. Die Influenza-Impfung ist weiters sehr sicher und sollte daher unbedingt durchgeführt werden – auch wenn sie in Österreich nicht im kostenlosen Kinder-Impfprogramm ist“, empfiehlt MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Facharzt für Kinder- u. Jugendheilkunde. „Die Impfung gegen Influenza kann zwar nach wie vor keinen hundertprozentigen Schutz gewährleisten, trotzdem hilft sie, Komplikationen und Spitalsaufenthalte zu ersparen und könnte bei ausreichender Durchimpfung die Infektionskette unterbrechen.

Bei der erstmaligen Impfung von Kindern bis zum vollendeten achten Lebensjahr werden im Unterschied zu Erwachsenen zwei Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht. Danach ist eine einmal jährliche Impfung ausreichend.[7]


[1] Fiore AE, Bridges CB, Katz JM, et al. Inactivated influenza vaccines, In: Plotkin S, Orenstein WA, Offit PA ed. Vaccines ed. 6. Elsevier Saunders 2013:257-93

[2] World Health Organization: Influenza vaccines: WHO position paper. Wkly Epidemiol Rec 2005; 80:277–88.

[3] Phadke, Varun K., Omer, Saad B., Maternal vaccination for the prevention of influenza: current status and hopes for the future, Expert Rev Vaccines. 2016 October ; 15(10): 1255–1280.

[4] Shakib, Julie H., et.al., Influenza in Infants Born to Women Vaccinated During Pregnancy, Pediatrics. 2016 Jun;137(6)

[5] Eppesa C, Wua A, Youb W, et al. Barriers to influenza vaccination among pregnant women. Vaccine 2013; 31:2874-8.

[6]  European Centre for Disease Prevention and Control. ECDC scientific advice on seasonal influenza vaccination of children and pregnant women. Stockholm: ECDC; 2012.

[7] Österreichischer Impfplan 2017

Über Markus Golla 1651 Artikel

Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege – Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

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