AT: „FAIR FÜR ALLE“ – Behindertenorganisationen schaffen Zertifikat für Barrierefreiheit

(C) M.Dörr & M.Frommherz

Unternehmen können neue Kundengruppen gewinnen, Menschen mit Behinderungen haben bei Kaufentscheidungen mehr Sicherheit

Mehr als 20 österreichische Behindertenorganisationen haben gemeinsam das Zertifikat „FAIR FÜR ALLE“ konzipiert. Es signalisiert Menschen mit Behinderungen, dass sich ein Unternehmen oder eine Organisation mit dem Thema Barrierefreiheit auseinandergesetzt hat.

FAIR FÜR ALLE ist ein Zertifikat, das Unternehmen und Organisationen für ihre umfassende Barrierefreiheit auszeichnet und eindeutig kennzeichnet. Für Unternehmen und Organisationen bieten sich eine Reihe von Vorteilen. Ihre Produkte und Dienstleistungen werden gleichermaßen für ALLE Menschen zugänglich und für Menschen mit Behinderungen besonders attraktiv. Das Zertifikat bietet eine Differenzierung zur Konkurrenz und damit verbesserte Marktchancen.

Für die Zielgruppe Menschen mit Behinderungen ist die Kennzeichnung FAIR FÜR ALLE ein klarer Hinweis auf den barrierefreien Zugang zu Produkten und Dienstleistungen. Damit können Kundinnen und Kunden mit Behinderungen darauf vertrauen, dass definierte Mindeststandards für Barrierefreiheit eingehalten werden.

Unternehmen vergrößern ihr Umsatzpotenzial

Zertifizierte Unternehmen verfügen über einen besseren Zugang zur bisher ungenutzten Kundengruppe der Menschen mit Behinderung, dadurch wird das Umsatzpotenzial wesentlich gesteigert. Aus der Mikrozensuserhebung der STATISTIK Austria (4. Quartal 2015) geht hervor, dass beinahe jeder fünfte Mensch in Österreich von einer Form von Behinderung betroffen ist (beispielsweise Mobilitätsprobleme, Sehschwächen, Probleme beim Hören, psychische Probleme, Lernschwierigkeiten, etc.).

Zudem kommt Barrierefreiheit allen Menschen zugute. „Barrierefreiheit ist für einen Teil der Bevölkerung zwingend erforderlich für ein selbstbestimmtes Leben und für alle komfortabel. Das macht das FAIR FÜR ALLE-Zertifikat für Unternehmen so attraktiv.“ so Herbert Pichler, Präsident des Österreichischen Behindertenrats. Eine Zertifizierung ist grundsätzlich für alle Unternehmen und Organisationen mit direktem Kontakt zu Kundinnen und Kunden empfehlenswert.

Positiver Beitrag zu Image und Qualitätsmanagement

Mit dem Zertifikat FAIR FÜR ALLE erfolgt ein positiver Imagetransfer auf Unternehmen und Organisationen, da das Engagement für Barrierefreiheit gesamtgesellschaftlich positiv beurteilt wird.

Der Zertifizierungsprozess unterstützt Unternehmen und Organisationen auch bei der Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements. Erika Plevnik, die Vorsitzende des Zertifizierungsrats, erklärt dies so: „Eine Beratung im Rahmen der Zertifizierung unterstützt die Unternehmen dabei, Abläufe und Prozesse in Bezug auf Barrierefreiheit zu verbessern. Das führt zu einer höheren Qualität der Angebote. Was wiederum zu einem Mehrwert für die Unternehmen führt, weil bisher nicht erreichte Kundengruppen aufmerksam werden. Das und die Außenwirkung des Zertifikats sind sicherlich der Hauptnutzen für Unternehmen und Organisationen.“

Breite Kooperation der Behindertenorganisationen

Hinter der Entwicklung von FAIR FÜR ALLE stehen mehr als 20 Behindertenorganisationen, 10 Organisationen sind im Zertifizierungsrat vertreten: Österreichischer Behindertenrat, Österreichischer Gehörlosenbund, Behindertenanwaltschaft, der ÖZIV Bundesverband, Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, Selbstvertretungszentrum Wien, Selbstbestimmt Leben Österreich, der BSVÖ – Blinden- und Sehbehindertenverband Österreichs sowie das Chancen Nutzen Büro des ÖGB. Die Abwicklung erfolgt durch die Koordinierungsstelle (Österreichischen Behindertenrat). Eine Zertifizierungsstelle veranlasst die Audits und entscheidet unabhängig über die Vergabe der Zertifikate.

Die Entwicklung und Umsetzung des Zertifikats wird durch das Sozialministerium finanziell gefördert.

Über Markus Golla 1957 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege - Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

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