AT: Das erste Complementary Care Symposium in Wien – Ein Veranstaltungsbericht

Am 11. Mai war es soweit! Der FH Campus Wien und das Zentrum Lebensenergie luden zum ersten österreichischen „Complementary Care – Therapeutic Touch“ Symposium in Wien ein. Komplementäre Themen wurden bisher in Universitäten und Fachhochschulen nur rudimentär präsentiert. Ein Grund für Pflege Professionell diese Veranstaltung neugierig zu besuchen…

Die Räumlichkeiten des FH Campus füllten sich sehr schnell und von Beginn an konnte man die Vorfreude zu diesem restlos ausverkauften Event bei jeder/jedem TeilnehmerIn spüren. Die Eröffnungsrede von Frau FH-Prof. Mag. Dr. Roswitha Engel spannte den Bogen zwischen wissenschaftlichen Arbeiten und neuen Inhalten. Seit 1990 gibt es international Masterstudiengänge mit komplementären Inhalten. Deren Studien beschäftigen sich mit Schmerzen, Wundheilung und Reduzierung von Angst in den unterschiedlichsten Settings. Schon durch diese ersten Worte wurde bewusst: „Wir haben noch viel zu tun, sind aber auf einem guten Weg.“ Dies ist auch der Grund, warum der FH Campus in Wien seit neuestem in seinem Masterstudium Advanced Nursing Counceling den Schwerpunkt „Komplementäre Pflege“ implementiert hat, welcher von Frau FH-Prof. Mag. Sabine Schweiger geleitet wird. Durch die Novellierung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes im Jahre 2016 wurde der „komplementären Pflege“ erstmals eine gesetzliche Grundlage gegeben, Startschuss für alle, die etwas in diesem Bereich bewegen wollen. Mit einem abschließenden kleinen Bericht über den amerikanischen wissenschaftlichen Kongress der Light Association übergibt Frau Prof. Schweiger an die Moderation Frau Gabriele Wiederkehr.

Wenn für jemanden das Thema „Therapeutic Touch“ eine Herzensangelegenheit ist, dann ist es für Gabriele Wiederkehr, Gründerin des Zentrum Lebensenergie und Initiatorin des Symposiums. Die ersten Worte erzählen von „Florence Nightingale, der Lady of the lamp“, gehen zu den Nachtdiensten mit Taschenlampe über und enden mit dem Wunsch nach mehr „fundiertem Wissen“ in diesem Bereich. Energie und Licht, zwei Komponenten die man nur schwer aus dem Heilungsprozess streichen kann, obwohl dies oft der Wunsch so mancher MedizinerInnen ist. „Wir brauchen mehr Dokumentation und internationale Studien, um dieses Thema noch sichtbarer zu machen. Es liegt in unserer Verantwortung englischsprachig zu publizieren, damit wir uns noch mehr international vernetzen.“

 

Die deutsche Therapeutic Touch Lehrerin Vera Bartholomay unterrichtet nicht nur in den eigenen heimischen Gefilden, sondern ist auch regelmäßig in Norwegen und der Schweiz zu Gast. Eindrucksvoll berichtet sie über die internationalen Unterschiede, über das Thema „Pflege ist nicht gleich Pflege“ und über die magischen Momente, die man zwischenmenschlich erleben kann, wenn man sich auf das Gegenüber einlässt. Nähe und Mitgefühl sind die Grundsteine, welche auch in stressigen Situationen, Energie geben können und zwar für beide Seiten! Gerade durch solche Erlebnisse kann man Kraft schöpfen und läuft dabei weniger in Gefahr für den Beruf komplett auszubrennen. Sie berichtet von Studien mit buddhistischen Mönchen und europäischen Probanden. Mitgefühl generiert innere Ruhe und ist deswegen auch ein guter Indikator zum Stressabbau. Eine professionelle Abgrenzung kann auch erschöpfen, denn es benötigt soviel Energie, dass es zu einem regelrechten Ausbrennen kommt. Abschließend kommentiert sie das Thema mit „Es ist einfach wichtig, eine gute Balance zwischen Wissenschaft und altem Wissen zu generieren.“

 

Almut Klöpfer, Heilpraktikerin und Lehrerin für Energiemedizin in Hannover berichtet von den Energiefeldveränderungen vor, während und nach den Behandlungen von PatientInnen. Auch hier zeigte sich schnell, dass „Dokumentation“ eine der wichtigsten Komponenten ist, wenn es um Behandlung/Betreuung von PatientInnen/KlientInnen geht. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Energiefelder farbig oder schwarz/weiß eingezeichnet werden. Durch die Fallbeispiele aus der Praxis war ganz klar ersichtlich, wie weit schon diese Disziplin ist und was eine für eine Weiterentwicklung von Nöten ist. Man könnte nun meinen, dass Therapeutic Touch eine reine Pflege- und HeilpraktikerInnen-Angelegenheit ist. Spätestens nach dem Vortrag von Herrn Dr. Jens Rowold kann dieses Vorurteil ad acta gelegt werden. Mit dem Thema „Das menschliche Energiefeld wahrnehmen und dokumentieren“ schaffte der Vortragende den Brückenschlag zwischen Energiearbeit und Wissenschaft. Er berichtete über die Forschungsergebnisse zweier Studien, die in renommierten Medizinjournals veröffentlicht wurden und erklärt, welche Vokabel und Sichtweisen es benötigt, um andere Berufsgruppen „ins Boot zu holen“. Besonders spannend waren für uns die beiden Forschungen, welche mit einer hohen Stichprobe generiert wurden und mit dem Einsatz von wissenschaftlichen Skalen, eine gute Anschaulichkeit bewiesen. Nur so kann man MedizinerInnen auf diese Arbeit aufmerksam machen.

Nach diesem interessanten Vormittag kam es zu einer kleinen Mittagspause, in der man das Essen und die Räumlichkeiten des FH Campus genießen konnte. Das moderne Gebäude und die gute Küche lieferten eine ideale Energiezufuhr für den weiteren Nachmittag. Obwohl die Teilnahmebestätigungen bereits in der Früh ausgegeben wurden, waren nahezu alle TeilnehmerInnen nach dieser Pause wieder bereit, neues Wissen und Berichte aufzunehmen. Dies ist in unserer heutigen Zeit leider kein Standard und zeigt auf, wie hochwertig diese Veranstaltung generiert wurde.

Es folgten drei Vorträge über den praktischen Einsatz von Therapeutic Touch in den unterschiedlichsten Settings. Als Einstieg trug Frau Ingrid Pfneisl „Berührende Pflege, Erfahrungen mit der therapeutischen Berührung auf der Palliativstation“ vor. Hierbei ging es um die Symptombehandlung im finalen Stadium und die tägliche Arbeit im Palliativsetting. Man hätte zu diesem Thema noch stundenlang sprechen können und hätte dennoch nur einen kleinen Teil der Thematik behandelt. Die Erkenntnis, dass die Berührung ein maßstäblicher Faktor in der finalen Phase ist, ist mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen.

Doch nicht nur in der finalen Phase, sondern auch in der Gesundheitsförderung spielt das Thema Energie und Berührung einen wichtigen Faktor. „Therapeutische Berührung, ein beherzter Weg vom Anfang des Lebens bis zur betrieblichen Gesundheitsförderung im Krankenhaus“ wird im Wilhelminenspital in Wien groß geschrieben. Stationsleitung Manuela Kampel berichtet beginnend von den Anfängen der Implementierung, über die Gesundheitstage bis hin zum IST-Stand der stationsübergreifenden Aktivitäten. Was anfänglich unter „notdürftigen“ Bedingungen seinen Anfang fand, ist nun mittlerweile eine wichtige Komponente im Alltag und an den innerbetrieblichen Gesundheitstagen des Krankenhauses. Das Team musste an diesen Tagen das Angebot sogar erweitern, da eine einzelne Liege zur Nutzung bei dieser Veranstaltung nicht ausreichte. PatientInnen, die den Einsatz im Krankenhausalltag erlebten oder mitbekommen hatten, fragten bei einer neuerlichen Aufnahme nach den möglichen Behandlungen mit „Therapeutic Touch“.

Der letzte Praxisbericht „Therapeutic Touch – mit Selbstverständlichkeit in der Pflege – ein Pflegeprojekt“ wurde von zwei Vortragenden vorgestellt. Frau Agnes Pölzl und Frau Margot Postl aus dem Wiener Krankenhaus Hietzing, erzählten von diesem einzigartigen Projekt, welches natürlich einen wissenschaftlichen Ansatz hatte. Hierbei wurde nicht nur das Personal, sondern auch die PatientInnen eingebunden. Ermöglicht wurde das Ganze von Pflegedirektorin Astrid Engelbrecht, MSc SPcM, welche natürlich bei diesem Symposium durchgehend anwesend war. Eine Wertschätzung, die unserer Meinung nach NICHT selbstverständlich ist. Die Zahlen dieses Projektes sprechen auf jeden Fall für einen Einsatz von Therapeutic Touch.

 

Nach einer kleinen Pause gab es einen letzten Beitrag von Frau Maria Haller-Hinterndorfer, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege am Wilhelminenspital, Praxisanleiterin für Basale Stimulation. „From Novice to Expert – Weg einer Lernenden zur Anwenderin der therapeutischen Berührung“ schilderte den Lernweg vom Start des Kurses bis hin zum Einsatz in der Praxis. Die bewanderte Begutachtung über die Sichtweise von Patricia Benner zeugte von einer professionellen Herangehensweise. Die sympathische und liebenswerte Darstellung der GuK-Lehrerin bot einen wunderbaren Abschluss der Vorträge und generierte einen Hunger nach mehr Wissen.

Während inzwischen in den unteren Hallen des Campus der neue Schwerpunkt „komplementäre Pflege“ vorgestellt wurde, gab es im Vortragsraum eine abschließende Fragen-/Antwortrunde mit allen Vortragenden. Hierbei merkte man schnell die gemeinsamen Synergien, Wünsche und Zukunftsvisionen, welche durch die TT-Community spürbar war. Mehr denn je bewies die Pflege an diesem Tag, wie schön und gemeinschaftlich Pflege sein kann und dass wir alle beruflich den selben Wunsch hegen.

Persönliches Fazit: Für mich als quantitativer Naturwissenschaftshardliner ein spannendes Thema, da ich den komplementären und alternativen Angeboten schon lange den Rücken zugekehrt habe. Dieses Symposium hat mir ganz klar in Erinnerung gerufen, wie wichtig es ist, Platz für Neues zu schaffen, Altbewertes zuzulassen und allem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Ich möchte an dieser Stelle Frau Gabriele Wiederkehr ganz besonders danken, dass Sie mir mit ihrer Veranstaltung es wieder bewusst gemacht hat. Die Pflegewissenschaft muss in diesem Bereich noch viel aktiver werden! Ein Symposium, welches hoffentlich 2018 eine Fortsetzung haben wird.

 

Über Markus Golla 1462 Artikel

Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege – Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (Universität Wien)

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